Ernst Moritz Engert: Bohemien, Silhouettist und Schattenspieler

Ernst Moritz Engert Selbstbildnis als Dandy, um 1911 Schwarzschnitt, 14 x 6,3 cm August Macke Haus Bonn

Ernst Moritz Engert
Selbstbildnis als Dandy, um 1911
Schwarzschnitt, 14 x 6,3 cm
August Macke Haus Bonn

Noch bis zum 18. Mai 2014 stellt das August Macke Haus in Bonn Scherenschnitte und Schattenspielfiguren des Künstlers Ernst Moritz Engert (1892 – 1986) aus.

Ernst Moritz Engert zählt zu den eigenwilligsten und ungewöhnlichsten Künstlern, die der Expressionismus in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts hervorbrachte. Schon seine auffallend große Statur sowie sein betont dandyhaftes Auftreten trugen dazu bei, ebenso sein weltläufig-lässiger Habitus sowie sein außerordentlicher Witz und Charme. Dazu kam schon früh seine ungebundene und umtriebige Lebensweise in den Bohème-Kreisen der künstlerisch-literarischen Avantgarde in München, Berlin und im Rheinland.

Engerts bevorzugtes Medium war der Scherenschnitt bzw. das Schattenbild. Er befreite es stilistisch wie thematisch gründlich von seinem biedermeierlich-hausbackenen Beigeschmack und führte es mit ungeahnter Ausdruckskraft zu neuer künstlerischer Bedeutung. Heute gilt Engert als der expressionistische Schattenbildner schlechthin.

William Hunt Diederich/ Ernst Moritz Engert Diana, um 1920 Schwarzschnitt, 18 x 26,5 cm August Macke Haus Bonn

William Hunt Diederich/
Ernst Moritz Engert
Diana, um 1920
Schwarzschnitt, 18 x 26,5 cm
August Macke Haus Bonn

Doch nicht nur im künstlerisch-grafischen Bereich war Engert aktiv. Auch als Schattenspieler trat er schon früh in Erscheinung. Er inszenierte eine Reihe literarischer Stücke für das Schattentheater und fertigte die von ihm dazu entworfenen Bühnenbilder und von ihm selbst gespielten Figuren auch eigens an.

Engert hat ein umfangreiches künstlerisches Werk hinterlassen, das sich heute überwiegend in musealem Besitz befindet. Dank der großzügigen Stiftung seiner jüngeren Tochter, Phoebe Engert, sowie einer Schenkung seiner älteren Tochter, Ursula Engert, gelangte ein Großteil davon 2004 in das August Macke Haus, das E. M. Engert als einem der an der von August Macke 1913 initiierten „Ausstellung Rheinischer Expressionisten“ beteiligten Künstler bereits eine seiner ersten Ausstellungen gewidmet hatte. Dieses umfangreiche Konvolut konnte inzwischen gesichtet: inventarisiert und zudem durch den Ankauf von sieben Schattenspielfiguren Engerts aus den 1920er Jahren bereichert werden.

Ernst Moritz Engert Ostasiatischer Mann,  Schattenspielfigur, (vor) 1928 Sperrholz, schwarz bemalt Höhe ca. 40 cm August Macke Haus Bonn

Ernst Moritz Engert
Ostasiatischer Mann,
Schattenspielfigur, (vor) 1928
Sperrholz, schwarz bemalt
Höhe ca. 40 cm
August Macke Haus Bonn

Dies nimmt das August Macke Haus zum Anlass, Ernst Moritz Engert erneut eine Ausstellung zu widmen. In ihrem Mittelpunkt stehen nun die ersten drei Jahrzehnte seines Schaffens, in denen sich der virtuose Silhouettist vor allem in den Zirkeln der Bohème Münchens und Berlins bewegte und sich intensiv auch dem Schattenspiel widmete.

So werden neben zahlreichen figürlichen Scherenschnitten und Porträt-Silhouetten, die Engerts illustren Freundes- und Bekanntenkreis widerspiegeln, Schattenspielfiguren von seiner Hand wie auch Sequenzen aus dem 1923 unter der Regie von Arthur Robison in Berlin gedrehten Stummfilm „Schatten“ gezeigt, in denen Engert mit von ihm entworfenen und angefertigten Figuren selber das Schattentheater spielt.

Zur Ausstellung erscheint ein umfassender und reich bebilderter Katalog mit Beiträgen von Joachim Heusinger von Waldegg, Franz Josef Hamm, Alfred Happ, Andreas Gabelmann und Ursula Engert, Preis 25 €.

Ausstellungsdauer: 31. Januar 2014 bis 18. Mai 2014
[Eröffnung: 30. Januar 2014, 18.00 Uhr]

Im Web: http://www.august-macke-haus.de

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