Emmler Elisabeth

Emmler Elisabeth emmler_ph

* 02.05.1925 in Pirmasens
? 21.11.1998 in Wertheim
Autor(in) Ronny
Willersinn
aus: Vereinszeitung SAW 04

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1921 wurde Elisabeth Emmler in Pirmasens geboren. Als Kind eines Redakteurs und einer Buchhändlerin muss ihr ein Stück der Liebe zu Buch und Gedrucktem in die Wiege gelegt worden sein. Schon während der Schulzeit zeigte sie eine große Liebe und Fähigkeit zum Malen und Zeichnen, so dass eine künstlerische Ausbildung von seiten der Schule nahegelegt wurde. Doch der Vater war froh verstorben, die Mutter mußte ihre 3 Kinder alleine versorgen, und so musste Elisabeth Emmler mit einer Stelle als Stenotypistin „der Situation gerecht werden. Bereits im 1. Jahr jedoch erkrankte sie schwer und es kam zu längeren Krankenhausaufenthalten. 1939, unmittelbar vor Ausbruch des 2. Weltkriegs wurde sie, gerade aus dem Krankenhaus entlassen, zusammen mit Mutter und 2 Geschwistern nach Kahl am Main evakuiert.
Das übereilte Verlassen der Heimat und die noch nicht überstandene Krankheit ließen es zu einer schweren Zeit werden, – und doch eröffnete sich gerade darin die Chance zu ihrer beruflichen Laufbahn: Die Kunstschule Offenbach war mit dem Zug zu erreichen und so konnte sie im Frühjahr 1940 ihr Kunststudium beginnen. Schnell hatte sie sich für die Fachklasse für Buchillustration entschieden. Ihr Fachlehrer für Buchgrafik, Prof. WiIIi Harwerth war es schließlich auch, der ihre besondere Begabung entdeckte und die lange zuvor schon erwachte Liebe zum Papierschnitt forderte und ermutigte. In den Belastungen der Kriegszeit, mitten in den immer häufiger werdenden Bombenangriffen, floss ihre ganze seelische Kraft in die Gestaltung der kleinen schwarzen Bilder voll! Ausdruck und Energie.

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Biografisches

Nach dem Zusammenbruch 1945 war es sehr schwer beruflich Fuß zu fassen. Sie nahm alle Arbeiten an, die sieh boten, – vom Bemalen von Holztellern bis zu Entwürfen für Steinmetze oder dem Kolorieren von Lithografien, verkaufte aber auch bald ihren ersten Scherenschnitt.
Durch die Schriftgießerei Klingspor in Offenbach, und hier besonders durch Max Dorn, Dr. Klingspors engstem Mitarbeiter, fand Elisabeth Emmler große Unterstützung. Es folgten Aufträge von großen Kartenverlegern und schließlich das Herausgeben immer neuer Glückwunschkarten im Selbstverlag.
In den 50 Jahren folgten Ausstellungen in unzähligen Städten Deutschlands, und Elisabeth Emmler trat dem Künstlerbund „Gebende Hände“ in Frankfurt bei, dem sie bis 1974 angehörte. Von 1956 bis 1968 unterrichtete sie Kunsterziehung an den Realschulen in Alzenau und Aschaffenburg.
Mit den Jahren ergaben sich durch ihre Kunst weitreichende Kontakte und Wertschätzungen in den meisten europäischen Ländern, nach Australien, Südamerika und USA.

Seit 1977 wohnt und arbeitet Elisabeth Emmler in Wertheim, zusammen mit ihrem langjährigen Lebensgefährten, dem Chemiker Dr. Wiegand, der im Jahre 1981 nach einer langer schwerer Krankheit verstarb und in Elisabeth Emmlers leben eine große schmerzende Lücke hinterließ.
Besondere Auszeichnungen und Höhepunkte im Schaffen von Elisabeth Emmler:
1990 erster Preis bei der internationalen Scherenschnittausstellung in Wilna / Litauen
1992 eine große Ausstellung im Schloß „Blühender Barock“ in Ludwigsburg im Zusammenhang mit der Floriade, – viele ihrer Märchenfiguren wurden lebensgroß in Blech geschnitten im Park aufgestellt, – so auch die Figuren ihrer KrippendarsteIlung.

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Ganz besonders die Einrichtung des „Scherenschnittkabinetts“ in ihrer Heimatstadt Pirmasens mit etwa 60 Bildern, einer Dauerausstellung die den Querschnitt ihrer Arbeiten repräsentiert.

Ihr Werk

Der erste Zugang zur Ideen- und Formenwelt von Elisabeth Emmler erschließt sich über ihre bekannten Märchendarstellungen. Ganze Zyklen zu den vertrauten Märchen der Kindheit – und auf eigenartige Weise sind einem dann auch ihre Schnitte dazu sofort vertraut und nah. Sie sind so, wie wir sie in uns tragen: Ein Stück Kindheit muss sich diese Künstlerin in ihrem Herzen bewahrt haben, um Märchenbilder so klar sehen und wiedergeben zu können.  emmler-13
Hier eine frühe Märchenillustration zu den Sterntalern. Ein leben lang begleiteten Elisabeth Emmler diese Märchen intensiv. Einer der neuesten Schnitte zeigt sie bei einem Schlüsselerlebnis der Kindheit: auf den Knien des Großvaters, der so wunderbar Märchen erzählen konnte!


emmler_04‚Wenn Du Märchen hast, ist die Welt voll Wunder“. Der sie hat, sieht auch das Wer~ den und Wachsen in der Natur mit besonderen Augen. ~ Elisabeth Emmler kann dies in seiner ganzen Charakteristik und Lebendigkeit erfassen und ausdrücken. so auch im Zyklus Schneewittchen.
Die Darstellung des Wesentlichen, aber durchaus naturalistisch, zeigt sich auch in ihren Baum- und Pflanzendarstellungen. Da sind Pflanzen regelrecht porträtiert, wie persönliche Freunde. Da lebt als Papier ein Stückchen Rasen weiter, – einmal ausgegraben, schnell skizziert, ehe es welkte und dann liebevoll im Detail geschnitten.

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Die Verbundenheit mit allem, was lebt, mag Frau Emmler auch zu einer ihrer religiösen Darstellungen bewogen haben, dem Franziskus.

Immer wieder überrascht die Vielseitigkeit der Künstlerin, die ihre Schnitte auch in der Kombination mit der Aquarelltechnik einsetzt, die z.B. im Bereich der Porträtsilhouette, aber auch fern selteneren Gebiet der Schriftdarstellung im Scherenschnitt, gearbeitet hat.
Sie hat zahlreiche Buchillustrationen gefertigt, darunter Tiergeschichten von Manfred Kyber,
Jahreskreis der Liebe von H. Leißner, Zuckerhut von Joe Duisberg und Ruf der Amsel von Franz Schaub und ihre Scherenschnitte auch in Kombination mit Märchen oder Liedern herausgegeben:
Durch die Schusterkugel geschaut, Zauberscherlein, Weihnachtsgeschichte, Drei Märchen der Gebrüder Grimm.

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Ihre Kunst wurde umfassend im Buch Bilder mit der Schere geschnitten gewürdigt, das inzwischen in der 2. Auflage vorliegt und wohl die beste Referenz darstellt.
Zu guter letzt wollen wir den Menschen Elisabeth Emmler sprechen lassen, in ihrer Liebe zu ihrer pfälzischen Heimat, die sich in ihrem Leben, in vielen Scherenschnitten und damit verbundenen Ehrungen widerspiegelt:
„Ich schaue durch die Schusterkugel, die mich als Kind schon faszinierte und sehe – die Stadt mit ihren Treppen und Buckeln, ihren Kirchtürmen und Brocken und drum herum den herrlichen Pfälzer Wald und fühle – Heimat“.


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Eine Antwort

  1. Christine Loisch sagt:

    Es werden nicht so viele Menschen den Text lesen aber im ersten Absatz ihres Textes heißt es:
    „der Vater war froh verstorben“ und ich finde es aus reinem Taktgefühl notwendig daß sie diesen Fehler korrigieren.

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