Karin Dickel-Jonasch

Nachrichten aus der Anderwelt

dickel-jonasch03Sie kennen „Anderwelt“ nicht? In „Anderwelt“ leben Trolle, Feen, Elfen, Drachen, Hexen und Zauberer und was man sich sonst noch vorstellen kann. Jeder von uns kannte einmal „Anderwelt“ – nur haben viele Erwachsene den Weg dorthin vergessen. Die freischaffende Künstlerin Karin Dickel-Jonasch nimmt den Betrachter ihrer Schnittbilder wieder mit auf die Reise nach „Anderwelt“.

Geboren 1950 in Nidda studierte sie Kunst und Germanistik in Gießen und arbeitete als Lehrerin. Von 1990 bis 1998 lebte sie mit ihrer Familie in Umbrien auf dem Land mit vielen Tieren. Dort begann sie, inspiriert von der dortigen Natur, sich intensiv mit dem Scherenschnitt auseinanderzusetzen. Bereits 20 Jahre vorher faszinierte sie die von ihrem Bruder aus China mitgebrachten Scherenschnitte – und begann sogleich nach Papier und Schere zu greifen.

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Als ausgebildete Künstlerin beschäftigt sie sich neben dem Scherenschnitt auch mit Fotografie, Radierung und Malerei. Doch für ihren Hang zu Mythen und Märchen schien ihr die Technik des Scherenschnitts das adäquate Ausdrucksmittel. Im Gegensatz zu Malerei und Fotografie beruhigt sie die Schneidearbeit, gibt Anlass zur Meditation. Zudem benötigt sie für diese Arbeit kein Atelier, sondern nur einen Koffer mit Schneidewerkzeugen und Papier.

In strengem Schwarz-Weiß-Kontrast sind ihre meist großformatigen Schnittbilder besonders durch akzentuierte Binnenschnitte charakterisiert. Sie erzählen Geschichten, meist nach eigenen Märchen, wie z.B. das Katzenmärchen „Kalua Ciambella in der Anderwelt“, das Karin Dickel-Jonasch (inzwischen als illustriertes eBook erhältlich) während ihrer Zeit in Italien begann zu schreiben und zu illustrieren oder die Geschichte „Mimifar und Birigon“.

Karin-Dickel-Jonasch_Kalua-IllustrationMit ihren Illustrationen stehen die Schnittbilder von Karin Dickel-Jonasch historisch in einer für das Medium Scherenschnitt lange bestehenden Tradition. Stilistisch und auch inhaltlich stehen sie in Bezug zu den Schnittbildern der Jugendstilkünstlerin Johanna Beckmann (1868-1941), die sich besonders durch Märchenillustrationen hervortat und die ein intimes Verhältnis zur Natur hatte, in der auch Wichtel und Hexen leben können. Karin Dickel-Jonasch, die sich ihre Inspirationen gern aus der Natur holt, sagt: „Für mich ist die Natur die Göttin. Flora und Fauna und die Gerüche sind für mich sehr wichtig.“ Die Natur lebt für sie, deshalb haben Steine und Bäume bei ihr auch immer Gesichter.

Karin Dickel-Jonasch gelingt es mit ihren Schnittbildern an die Tradition anzuknüpfen und motivisch zu bereichern. „Ich habe so viel Fantasie, ich weiß manchmal gar nicht, wohin damit,“ äußert die Künstlern. Überzeugen Sie sich selbst davon, und besuchen Sie die „Anderwelt“.

Homepage: http://www.scherenschnitte-online.de

Autor: Antje Buchwald
Erschienen in: SAW 33

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