Wilhelm Repsold

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* 19.03.1885 in Hamburg
† 02.12.1969 in Diessen

Es ist immer wieder faszinierend, dem Lebenswerk eine Künstlers zu begegnen. Der Geist des Verstorbenen tritt dann in seinen direkten Aussagen hervor und will von uns eine Antwort haben. So erging es mir, als ich in Wuppertal die Großnichte von Wilhelm Repsold als Nachlassverwalterin dieses interessanten Künstlers kennenlernte. In sorgfältig geordneten Mappen ruhen Serien von Scherenschnitten sowie Zeichnungen, Briefe, Berichte und Fotografien – und warten eigentlich darauf entdeckt und veröffentlicht zu werden – wenn denn die heutigen Menschen sich dafür interessieren würden! Repsold kam am 19.03.1885 in Hamburg zur Welt. Nicht ganz zufällig für die spätere Entwicklung ist sicherlich die Tatsache, daß die Familie seit Generationen Präzisionsintrumente fabrikmäßig herstellte: eine Neigung zur Miniatur stellt man allenthalben fest. Studiert hat er Bildhauerei und Kunstgewerbe in Hamburg. Studienreisen führten ihn später nach Dresden ‚(zu Robert Sterl), nach Schweden (wo er mit Selma Lagerlöf bekannt wurde) nach Paris, London, Stuttgart und München.


01repsoldAb 1910 ist er in Berlin selbständig, wo ihm sein Metier vor allem in Verbindung mit Bauten abverlangt wird: Plastiken und Friese, gelegentlich auch zu Werbezwecken, stets mit einer vorgegebenen Idee. Hier zeigte sich seine unerschöpfliche Vielfalt, sein Gefühl für Raum, Bewegung oft mit Witz und treffsicher. Großes Geschick sich zu vermarkten, hatte er offenbar nicht. Eine Art Lebenslauf mit 25 Aufzählungen, was er nicht ist: kein frühreifer Spätentwickler, kein Lehrer namhafter Schüler. Was er nicht hat: keine reifen Werke in Staatsgalerien, keine Lebensversicherung, keinen Briefwechsel mit Rilke, Thomas Mann usw., usw. – aber, so schließt er: „ trotzdem geliebt, gelobt, geheiratet“. Verheiratet drei Mal, zuerst mit einer Frau von Politischen Engagement für die  KPD, eine zweite Frau wird betont als Mitarbeiterin beschrieben. Endlich findet er Diessen am Ammersee 02repsoldein harmonisches Zuhause bei seiner dritten Frau. Hier ermöglicht ihm ein befreundeter Kollege eine bescheidene feste Ausstellung als künstlerischer Mitarbeiter, vorwiegend in Keramik. In dem idyllischen Ort ist er bekannt und geachtet: er war immer ein schöner Mann mit dem Flair eines Künstlers.

Seine Großnichte beschreibt ihn als pedantisch-liebenswürdig. Was weist alle Arbeiten von Repsold als für ihn typisch aus? Es ist die Materialgerechtheit, die ihm wohl beim Studium „Kunstgewerbe“ eingeimpft worden ist – wenn sie nicht überhaupt in seinem Wesen gegründet war. Die tiefsitzende Begabung zeigt sich in der intuitiven Wahl seiner Motive: immer haben sie mit Bewegung zu  tun und stets sind sie so „ inszeniert“, daß das Wesentliche auf den Punkt gebracht ist. Stets überrascht er und wir 03repsoldkönnen nur zugeben;“ Ja, genauso ist es“. Schon in seiner Kindheit liebte er den Scherenschnitt. Ein köstliches, vergilbtes Album ist erhalten und schon früh zeigt sich seine Eigenheit; Elemente, die im Spätwerk wiederkommen, sind schon erkennbar. Geschnitten wurden sie mit einem Präzisionswerkzeug (Aus der väterlichen Fabrik?) Seine Scherenschnittproduktion scheint die Erholung von der Arbeit an langgestreckten Häuserfronten: Mit Vorliebe winzige Schnitte, köstliche Alltagsreporte, zu denen er kleine Texte mit witzigen Reimen erfindet.

Zur Aufbewahrung benützt er kleine Mappen und befestigt die Schnitte mit nur einem Klecks Leim auf weiches Japanpapier, so bekommen sei eine leicht plastische Wirkung, viele dieser intimen Kunstwerke sind persönliche Geschenke und keineswegs für ein ruheloses Publikum denkbar. Aber es gibt auch größere Mappen mit Serien, bei denen er an die Öffentlichkeit gedacht hat, z.B. einen Zyklus „Varieté“05repsold
(wo er die Figuren etwas 10-15 cm groß sind). Dargestellt werden die Repräsentanten des künstlerischen deutschen Tanzes zwischen 1920 und 1932, wie Mary Wigmann, Kurt Joos und Alexander von Swaine u.a. ( die ich persönlich kannte – das war schon eine Überraschung). Repsold hat sie genial erfasst. Ein Paar Zyklen tauchen in gedruckten Büchern als Illustrationen auf z. B Don Quichotte. Für ihn erfindet Repsold einen zittrigen Umriss, der den Geist des Helden genau trifft. Ein anderer Zyklus zeigt den Clown Grock bei seinen perfekten Kunststückchen mit der winzigen Geige und dem riesigen Flügel.

Da experimentiert Repsold mit kubistischen Elementen. Mit seinen Illustrationen zu Till Eulenspiegel hatte er Pech: seine umfangreiche Arbeit wurde nicht gedruckt, weil der Verlag in der Inflationszeit Pleite ging. Für eine Serie aus dem Akademie(un-)wesen wählt er einen bemantelten Professor von umwerfender Körperlichkeit, dem der junge Adept hilflos gegenübersteht. Immer besticht die Situation, ein erzählsamer Humor und volles Leben. Eine Studie wert wäre das Kapitel „Honorar“ nachzulesen in dem Nachlaß. Einige Beispiele: 1912 läßt er auf eigene Kosten 250 Mappen drucken („Knaben Wunderhorn“, „Andersen Märchen u.a) 375,- Mark. Dazu ein reich bebilderten Prospekt zur Subskription, Auflage 2000 Stück , Kosten 150,– Mark. Bestellt werden insgesamt 17 Mappen! Die bei Avenarius verlegten „Malschüler“- Mappen werden zwischen 1912-1926 insgesamt 3.358mal verkauft. Erlös für den Autor 269,79 Mark! 1914, Faschingsfest „Maske und Palette“ am Zoo in Berlin: er mietet eine „Bude für Scherenschnitte Muss sich verpflichten, nicht mehr als 400 Mark pro Tag einzunehmen- was darüber ist abzuführen. 1.Tag: 80 Mark, 2.Tag:keine Nachfrage, Tage 3-5 fallen aus!! Seine Werbeentwürfe sind erfolgreich (Voigtländer Kameras, Schering Pharmazie) laufen aber- vertragsgemäß- ohne Nennung seines Namens! Repsold starb am 02.12.1969 in Diessen am Ammersee. Wenn jemand behauptet, der Scherenschnitt sei“ Nur Kunstgewerbe“ und für wirkliche künstlerische Aussage unfähig- dem könnte man mit dem Oeuvre von Repsold widersprechen. Deshalb suchen wir Gelegenheit, wieder auf ihn aufmerksam zu machen und seine liebenswürdig-bescheidene und gleichzeitig große Künstlerschaft ans Licht zu ziehen.

 

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Autor: Hartmut Klug

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1 Antwort

  1. Fernando Knuppelholz sagt:

    yo soy bisnieto de Margarite roeser (esposa de Whihelm Repsold a partir del 1929) tenemos en mi familia muchas fotos y algunos dibujos de Whihelm . si alguien esta interesado puede comunicarse conmigo fernando_knuppelholz@hotmail.com soy de Jardin America, Misiones, Argentina
    hay unas fotos muy lindas de la que creemos que es la bauhaus, y muchos alumnos de la epoca. un material interesante para los que quieres reconstrir la epoca. Nosotros en mi familia estamos muy interesados en conocer a nuestros antepasados y si existen familiares vivos en Alemania.

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