Luise Neupert

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* 14.09.1926
† 31.06.2009

Autor: Jürgen Willersinn
aus Vereinszeitung  SAW 03

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Wir sehen nun eine Künstlerin vor uns, die ihr Werk unter den in der DDR herrschenden Bedingungen geschaffen hat – nicht zu vergessen, dass es kaum Ausstellungen oder Kontakte zu anderen Scherenschneidern gab – «…eine Generation, die ungeheuer ermutigt war und doch so schwer gebeutelt wurde: die Formalismus-Diskussion der frühen 50er Jahre, die politischen Restriktionen einer tumben Polit-Kamarilla». (Zitat aus «Ein Stück Welt umsonst», Artikel in der Freien Presse Chemnitz, 22.6.96).

Biografisches
Luise Neupert wurde 1926 unter ihrem Mädchennamen Else Keil in Chemnitz geboren. Trotz des 2. Weltkriegs konnte sie 1945 ihr Staatsexamen als Kindergärtnerin ablegen, dieses Berufsziel aber in der beginnenden DDR nicht verwirklichen. Dagegen studierte sie von 1947-48 an der Kunstgewerbeschule Leipzig, dann von 1948-51 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und von 1951-52 an der Textilfachschule Chemnitz.

Seit 1952 sind sie und ihr Mann Hans Neupert in Schmölln (Thüringen) als freischaffende Grafiker tätig, wobei das Spektrum ihrer gemeinsamen Arbeit Illustration und Buchgestaltung, Ausstellungsdesign, Batik, Sgraffito, Keramik am Bau, Textilcollagen, Applikationen, Photographie und Malerei umfasst.

Obwohl Luise Neupert Scherenschnitt-Entwürfe in die gemeinsamen Arbeiten einbringen konnte, hat sie   diesen Kunstzweig doch nie als ihren «Beruf» betrachtet. Vielmehr war es bis in die 80er Jahre wohl eher ein Ausgleich, um eigene Ideen zu verwirklichen, denen kein konkreter Kundenauftrag zugrunde lag. Die Beschäftigung mit der kleinen schwarzen Kunst konnte sich dann in der beruflich ruhigeren Zeit eher ausleben, und in dieser Zeit entstanden ihre bisher bedeutendsten Arbeiten, die viele Ausstellungen gesehen haben. Frau Neupert führt weiterhin eine sichere Schere. Wir dürfen ihre neuen Schnitte gespannt erwarten…!

Ihr Werk
Luise Neuperts erste Scherenschnitte datieren aus den vierziger Jahren. Die heute noch vorhandenen Schnitte aus dieser Zeit stellen pflanzen dar, aber auch bereits Märchen. 1948 schnitt sie einen Märchenreigen, der im Ansatz bereits ihre Vorliebe für schwungvolle, beengte Formen aufzeigt, sich aber noch auf die traditionelle Märchendarstellung stützt. Wie dieser Schnitt zeigt, beherrscht sie schon damals die Technik des Scherenschnitts: Die Figuren sind lebendig in vielerlei Posen dargestellt, die Linien überschneiden sich – oft ein Problem für den Ungeübten, und auch ein Markenzeichen der Künstlerin – skurril wirbelnde Personen – ist schon erkennbar.

 

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Schlagen wir von diesem Schnitt über ihre berufliche Arbeit hinweg einen Bogen zu den ab 1987 begonnenen Märchendarstellungen, so ist manches gleich geblieben, noch mehr hat sich verändert: Die stete Auseinandersetzung mit anderen grafischen Techniken hat dem Scherenschnitt gut getan, die Schnitte sind freier, runder, aber auch prägnanter geworden. Archetypen sind entstanden: Die Hexe aus dem Märchenreigen kehrt, unnahbarer, im Dornröschen wieder, oder giftiger in Jorinde und Joringel. Sie ist größer geworden, näher gerückt, ausdrücklicher.

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Gleichzeitig sind alle anderen Figuren unpersönlicher geworden oder gar als Negativ geschnitten, die Kontraste dadurch gesteigert, Vorder- und Hintergrund sind möglich geworden, auch im flächenhaften Scherenschnitt. Die übers Papier wirbelnden Formen aus dem Märchenreigen sind in den neueren Schnitten in große schwarze Flächen eingebunden und beziehen daraus ihre Spannung, der Hintergrund aus gestuftem farbigem Papier verstärkt das Intime, Zauberhafte der Darstellung. Stimmungsbilder sind entstanden, die Gefühle wiedergeben. Vor den Hexen Luise Neuperts kann man Angst haben, dies sind keine gemütlichen weisen Frauen.
Die Märchendarstellung im Scherenschnitt wird in den Arbeiten Luise Neuperts aus der Tradition heraus in die Moderne geführt. Es sind fast Grafiken geworden – doch lebt in ihnen das Wiedererkennbare fort, das uns das Gefühl gibt, sie schon einmal gesehen zu haben – und sei es im Traum.

Ein zweites großes Thema Luise Neuperts ist die Illustration von Weltliteratur, wobei sie einen besonderen Schwerpunkt im Altertum setzt, etwa in Ilias und Odyssee (Raub der Europa, Circe), der Bibel (Samson und Dalila) und dem Gastmahl des Trimalchio des Gaius Petronius Arbiter. Typisch sind auch hier die wehenden, bewegten Linien, die Kontraste großer zu kleinen Flächen, daneben aber noch stärker als bei den Märchenschnitten das Arbeiten mit grafisch reduzierten Formen und daraus auch die Näherung an die Karikatur. Humorvolle, spritzige Figuren, denen es ganz offensichtlich Spaß macht, zu agieren. Keine Ruhe ist in diesen Szenen, es springt und hüpft in diesen Schnitten, dass es eine Art hat. Aus dem Augenwinkel ist man versucht, den Kopf schnell zu drehen: Um festzustellen, dass es sich doch «nur» um ein stilles schwarzes Papier in der Fläche handelt…

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Die thematische Vielseitigkeit Luise Neuperts zeigen auch ihre Illustrationen zu Eichendorffs Taugenichts, Defoes Robinson, Shakespeares Sommernachtstraum…

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Der dritte Bereich ihrer Kunst ergibt sich wiederum aus den beiden vorhergehenden. Wieder sind es die bewegten Formen und Kontraste der Märchenschnitte, wieder die grotesken Elemente der illustrationen, aber jetzt sind die grafischen Elemente in den Vordergrund getreten. Die Illustration löst sich von der Literatur, die Bilder werden dekorativer, ohne flacher zu sein: Grafiken. Beispielsweise die Geigerin von hinten,

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oder, einmal ganz anders, die Dame mit Schmetterling. Luise Neupert schöpft hier aus dem Vollen, hat sie doch über Jahrzehnte hinweg Grafik gesehen und gemacht, die Formen schießen ihr sozusagen in die Schere und entfalten dort ihr Eigenleben. Die Grenze zur Abstraktion überschreitet Luise Neupert dabei allerdings nicht – und wahrt hiermit das Eigentümliche des Scherenschnittes.

 

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Natürlich gehen diese Entwicklungen ineinander über, sind nicht unbedingt chronologisch…

Durchaus nicht verschämt gibt sich Luise Neupert in allen ihren Werken: So wie es rauft und springt, so lebt und liebt es auch in ihren Schnitten. Gerade dies macht ihre Kunst oft so reizvoll, so geradeheraus, sie sagt selbst: «Etwas Pfeffer schadet nicht…».

Obers Ganze betrachtet, ergibt sich die Entwicklung einer Künstlerin in ihrer Zeit. Aus der Technik des Scherenschnitts heraus verstärkt sie die Bildwirkung unter dem Einfluß grafischer Techniken und entwickelt ihre eigene Formensprache zur Reife. Thematisch gelangt sie von Volks- und Kunstmärchen über die Beschäftigung mit der Weltliteratur bis zur Auflösung alle Thematischen in der Moderne.
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1 Antwort

  1. m.t.Langeland sagt:

    Auf de suche nach der mahler louis neubert kam ich auf die name von luise neubert. Was eine uberaschung, wunderschon und wunderbar. ein gluck so etwas besonderes entdeckt zu haben.(entschuldigung fur mein schlechtes deutch, ich bin niederlanderin)

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