Marek, Max

Marek Max  marek-foto

Autor(in) Dr. Elmar Gernert
SAW 27

www.maxmarek.de


 

marek-signatur

 

 

 

geboren 1957 in New York, lebt und arbeitet seit 1999 in BerlinMareks Werdegang führte über viele Stationen, u.a. New York, Hamburg, Paris, Montreal, Istanbul, nach Berlin. Mit über 25 Einzel- und ebenso vielen Gruppenausstellungen kann er bereits auf eine reiche Öffentlichkeitsarbeit zurückblicken. Auch in vielen internationalen öffentlichen Sammlungen sind seine Werke vertreten. Für Details ist www.maxmarek.de attraktives und instruktives Pflichtprogramm. Ihn als Scherenschnitt-Künstler zu bezeichnen, wäre absolut zu eng gefasst. Besser würde Aquarellist und Cut-Artist passen, wenn man sich auf Äußerlichkeiten wie Arbeitstechnik beschränkt.
Marek schneidet mit Messer und Schere zügig in das vor ihm liegende Papier, bei den hier abgebildeten Schnitten Ölpapier, wie es in der Seefahrt zum Einschlagen von nautischen Geräten oder Seekarten gebraucht wird, verwendet aber auch Materialien wie Wellpappe, Kupferfolie oder Transparentpapier. Dem Zug der Zeit folgend sind viele seiner Arbeiten auch ziemlich großformatig angelegt.


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Thema des bisherigen Werkes ist ganz offensichtlich der Mensch, der Mensch als Anonymus, der Mensch in all seinen Höhen und Niederungen, konzentriert auf das Essentielle, den Kopf und anschnittsweise noch den Rumpf als Mittler zum Umfeld, durch dessen Kontext eigentlich meist erst die physische wie mentale Situation des Dargestellten und damit der Sinngehalt des Bildes zum Ausdruck kommt. Denn anders als in konventionellen Bildern, wo der Bildinhalt vorwiegend durch Mimik, Gesten und Haltung der abgebildeten Personen verdeutlicht wird, sind diese bei Marek entpersonifiziert, als menschlicher Typ verallgemeinert, ohne Gesicht, ohne Extremitäten, ohne Geschlecht und Alter, als Metapher des biologischen Wesens „Mensch“ dargestellt. Und mit dieser Verallgemeinerung des homo sapiens schwindet seine Bedeutung als Individuum, wird die Bildaussage auf die Menschheit generell übertragen.

 

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Nachdem diese neutralen Figuren selbst wenig ausdrücken, muss die Bildaussage aus dem Kontext mit den Strukturen des Umfeldes kommen. Damit wird aber eigentlich die Verbindung von Mensch und Umgebung zum bestimmenden Inhalt, die Situation menschlicher Existenz in dieser Erdenwelt letztlich zur finalen Bildaussage.

Die Abbildungen mögen das verdeutlichen. In Abbildung 1 kauert eine in sich offensichtlich gedankenversunkene menschliche Gestalt in einem zeltähnlichen Gehäuse, abgeschlossen von der Umwelt. Sie könnte an einen in Meditation versunkenen Eremiten in seiner Klause erinnern. Aber die eigentliche Bildaussage kommt aus den von ihm ausgehenden, nach außen fließenden und dort knospenförmig zu einem flammenden Fanal aufstrebenden Strukturen. Versinnbildlichen sie nicht den mentalen Kraftstrom, der aus in Meditation gesammelter geistiger Energie Neues kreiert? Das Miteinander von Mensch und Umfeld ergibt also erst die Bildaussage und einen über die konkrete Darstellung hinausgehenden, allgemein gültigen Sinngehalt.

Marek verzichtet mit gutem Grund auf Bildtitel. Wie sollte schon ein Kurztitel, etwa „Meditation“, diese komplexen gedanklichen Zusammenhänge erklären. Wer sie nicht fühlt, wird eine solche Arbeit auch mit Eselsbrücke nicht verstehen.

Bild 3 zeigt diesen „Gattungstyp Mensch“ hoch aufgefahren, aber noch tief verwurzelt im Untergrund, dabei eng eingeschlossen von einem nach außen wie mit Zapfen verankerten abstrakten, schwer definierbaren Gebilde.

 Erwachsen aus früheren Entwicklungsstadien, aber unentrinnbar eingeschlossen in eine unbestimmte, vage Gegenwart, versinnbildlicht er so die Spur menschlicher Existenz; und er wird weiter charakterisiert durch eine tiefsinnende Kopf- und Schulterhaltung, als resümiere der so „Erwachsene“ über die Bilanz vergangener Zeiten. Der neutrale menschliche Torso wird so auch hier durch Einbettung in ein abstraktes, deutungsbedürftiges Umfeld zur generellen, aber bildlich konkret umgesetzten Aussage.


 

Besonders interessant ist auch Bild 3:


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Flüchtig betrachtet könnte es zwei Späher darstellen, die sich gegenseitig absichern, indem einer eine weite Ebene vor sich beobachtet, während der andere in eine nebulöse Leere starrt. Aber diese simple Erklärung lässt zu viele Fragen offen: Warum starrt der negative Torso ins Leere, wo es nichts zu sehen gibt? Wieso ist er negativ in den Körper des Anderen eingefügt? Kommt der für das Bild wesentlichen, waagrecht extrem lang ausgebildeten Struktur keine wichtigere Bedeutung.

Solche Überlegungen führen wieder von den konkret sichtbaren Formen hin zur Frage ihrer Bedeutung: Da ist der Mensch, der eine vor ihm liegende Strecke zu erforschen sucht: sein Leben? Und da ist in ihn eingefügt sein eigenes Ebenbild, aber negativ, entgegengesetzt, ins Leere starrend, sein Antipart, der Tod?

Weit hergeholt ? Nun, Kunst lebt von Fantasie!

Marek hat sie und er lässt Raum dafür.

Die hier besprochenen Werke sind wegen ihrer Eignung zum Druck herausgegriffen. In den neueren Arbeiten Mareks ist eine wesentlich stärkere Hinwendung zur Abstraktion und Vereinfachung festzustellen. Sie haben teils urzeitlich-primitive, archaische Formen zum Thema. Durch deren Kumulierung wird etwa der Eindruck einer urweltlichen Trophäensammlung erweckt, oder durch Einfügen solcher Archetypen anstelle des Gesichts in neutrale Kopf-Formen werden makrobiologische Innenansichten des Kopfes mit gigantischen Nervenzellen oder vor Riesenbakterien occupierter Schädel assoziiert:
Interessante Aspekte

 

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