Karl Hermann Fröhlich

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* 08.04.1821 in Stralsund
† 19.12.1898 in Berlin

Vereinszeitung SAW 28
Autor(in)   Rolf-Gunther Radnitz

 

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Karl Fröhlich war neben Wilhelm Müller (1804-1865) und Paul Konewka (1840-1871) der wohl bedeutendste und produktivste Scherenschnittkünstler des 19. Jahrhunderts. Neben seinen zahllosen Scherenschnitten haben wir ihm aber auch zahlreiche Fabeln, Gedichte und Lieder zu verdanken, die in Kombination in etlichen Veröffentlichungen ein begeistertes Publikum im In- und Ausland fanden.

Sein Leben begann am 8. April 1821 in Stralsund als unehelicher Sohn des mittellosen Schuhmachermeisters Johann Heinrich Fröhlich aus Berlin und der Stralsunderin Anna Elisabeth (Isabel) Lustig. Nachdem seine Eltern 1825 geheiratet hatten, zog Familie Fröhlich in den östlichen Teil Altberlins.
Karl Fröhlich wächst ohne eigentlichen Schulunterricht heran, erhält aber Privatunterricht bei Mamsell Jäkel. Die Schwester seiner Mutter, Marie, schneidet mit der Schere zierliche Bildchen (Figuren) aus schwarzem Papier für Karl aus, beruflich schneidet sie als Totenfrau weiße Manschetten für Kerzen am Sarg aus. Auch der Vater der Mutter, ein Königlicher Schiffsbesucher (Sicherheitsinspektor für Seeschiffe unter der Regentschaft Friedrich Wilhelms III), versteht sich auf das Schneiden. Das regt den kleinen Karl bei Besuchen in Stralsund an, selbst zu schneiden (SAW 12/1999. S.19-23). Karl trägt zunächst als Laufbursche bei einem Zeugschmied mit zum Unterhalt der bald von vier auf acht Köpfe angewachsenen Kinderschar bei. Die Mitglieder der großen Familie Fröhlich bleiben bis zu ihrem Tode Berlin als Wohnsitz treu, halten Kontakt bei Familienfeiern und stehen einander in vielerlei Hinsicht bei, auch bei der Bereitstellung von Wohnraum. Hierbei entwickelt Karl Fröhlich seine besondere Liebe für Kinder.
Im Oktober 1833 beginnt Karl eine Lehre im Buchdruckergewerbe, möglicherweise durch Vermittlung des Stralsunder Arztes Dr. Georg Reuter und dessen Frau. Der Tochter, Marie Reuter, war Karl bis zu ihrem Tode 1897 sehr zugetan (Briefwechsel). Er schenkte bzw. widmete ihr eine große Anzahl von Scherenschnitten (wenigstens 158 Stück), aus denen 1861 die „Marie Reutersche Sammlung K. Fröhlichscher Scherenschnitte“ ihren Anfang nimmt. Begleitend zur Buchdruckerlehre nimmt er am Privatunterricht eines Mitlehrlings teil und erhält Zeichenunterricht bei unbekannten Künstlern.
Am 7. November 1838 wird er als „Buchdruckergehilfe“ losgesprochen. Mitte 1839 begibt er sich nach altem Handwerksbrauch als Schriftsetzer auf Wanderschaft, zunächst in Mecklenburg, dann in Pommern und Holstein und später nach Süddeutschland, bis er sie Mitte 1842 an Main und Tauber beendet. In Wertheim findet er bei Nikolaus Müller, Drucker und Herausgeber des Main-Tauberboten, bis Ende 1844 eine feste Anstellung. Dort entwickelt sich eine persönliche Beziehung zu Anna Ströbe (*19. April 1802), der Tochter seiner Zimmerwirtin. Während seiner Wanderschaftsphase sieht er 1840 in Stralsund Scherenschnitte von Philipp Otto Runge (1777-1810) und Wilhelm Müller; letztere gaben ihm den entscheidenden Impuls, seine Jugendfähigkeit im Schneiden mit der Schere auf ein vergleichbares Niveau zu bringen. Dieser Zeitpunkt ist wohl als der eigentliche Beginn seines Kunstschaffens anzusehen.
Er lässt sich von Müller stark inspirieren und versteht dessen Schneidetechnik so perfekt nachzuempfinden, dass ähnliche Werke der beiden Künstler kaum auseinander zu halten sind.
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Weiterhin entwickelt sich eine lebenslange Freundschaft zu Thekla von Gumpert, der Herausgeberin von „Herzblättchens Zeitvertreib“, und 1842 zu Wilhelm Müller selbst. Er lernt Ferdinand Freiligrath, Justinus Kerner, Gustav Schwab und den Buchdrucker Cotta in Stuttgart kennen. Bei Cotta erlernt Fröhlich den Holzschnittdruck, welcher zu der Zeit bis zur Anwendung des Lichtdruckes noch unerlässlich zur Vervielfältigung von Scherenschnittbildern ist. Weitere Verbindungen Fröhlichs gibt es zu Fritz Reuter, Theodor Storm, Emanuel Geibel, Claus Groth, Fanny Lewald und anderen.
Wieder in Berlin, widmet er sich ab Ende 1844 gänzlich dem freien Schriftsteller- und Illustratorenberuf und lässt seine Braut Anna Ströbe nachkommen. Am 9. Oktober 1846 ist Hochzeit und Karl Fröhlich verkauft seine erste kleine Gedichtsammlung (Vorläufer von „Blumen am Wege“,1851, und „Gedichte“,1862).
Sein sozial-berufliches Engagement bringt ihn als Redner bei verbotenen Streiks von Buchdruckern und Schriftsetzern am 18. März 1848 für einige Monate ins Gefängnis. 1849 bringt er „Lieder aus dem Gefängnis“ heraus. Im Jahr 1851 beginnt Fröhlich damit, seine Arbeiten im Selbstverlag zu veröffentlichen, weiterhin fertigt er Arbeiten vorrangig für Jugendschriften, unter anderem mit reizenden Weihnachtsgedichten und schwarzen Bildchen. An diesen Veröffentlichungen bestand ein großes Interesse (Übersetzung ins Englische, Französische, Polnische). Seit Bestehen der Bahnverbindung Berlin – Frankfurt/ Main (1852) unternimmt er fast alljährlich Reisen nach Wertheim.
Mit dem ersten Erscheinen von „Herzblättchens Zeitvertreib“ (Thekla von Gumpert/ 1856) liefert er fast 40 Jahre lang Beiträge zur künstlerischen Ausgestaltung (Text und Bild) dieses Frauenjahrbuches. Anfang der 1860-er Jahre beginnt Fröhlich, sehr klein zu schneiden (Schattenliliput).
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Todesfälle in seinem persönlichen Umfeld lösen bei ihm eine lang anhaltende Trauerphase aus, die den Beginn eines ungeordneten Wirtshauslebens ab 1864 zur Folge hat. So sterben um1847 sein einziges Kind, 1848 sein Vater, um 1863/64 seine Mutter, 1865 seine Frau Anna, 1865 Wilhelm Müller. Karl Fröhlich schneidet während seiner „trüben Jahre“ nur wenig.
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Um 1848 lernt er durch Vermittlung von Prof. Dr. Johannes von Gruber in Greifswald Paul Konewka kennen, dem er die erste Schere geschenkt haben soll. 1857 kommt Konewka 16-jährig nach Berlin und wird dort zunächst Kunstschüler des Bildhauers Friedrich Drake und von Albert Wolff und 1862 dann von Prof. Karl Steffeck (Maler, s. SAW 21/2002, S.24-25). Wie auch schon bei Müller findet eine gegenseitige Beeinflussung statt, wobei der mehr aristokratische Konewka, mit seinem eher klassizistisch beeinflussten Stil den Demokraten und stark religiös geprägten Fröhlich mit seinem eher biedermeierlichen Stil deutlicher beeinflusst als umgekehrt. Es entstehen Gemeinschaftsarbeiten (SAW 9/10/ 1998, S. 29) sowie kleine weibliche Akte durch Fröhlich. 1871 stirbt Paul Konewka. 1867 – 1872 ist Karl Fröhlich künstlerischer Mitarbeiter beim Berliner Hofphotographen Gustav Schauer. Seine zweite Ehe mit Luise Naumann (1868) bleibt kinderlos.
Ab etwa 1870 schneidet Karl Fröhlich großformatiger, da nun die Photographie für Reproduktionszwecke (Vergrößerung/ Verkleinerung) zur Verfügung steht. Das ermöglicht auch eine Korrektur der Druckvorlagen, z.B. durch Montage von Bildteilen. Vor dieser Zeit musste Fröhlich in Größe der gewünschten Vervielfältigungen schneiden.
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1872 – 1880 ist Karl Fröhlich als Korrektor der „Berliner Börsenzeitung“ tätig. Im Winter 1880 setzt er sich beruflich zur Ruhe, schneidet viel aus, liest viel, lebt aber immer mehr zurückgezogen. 1883 zieht er in Berlin zum fünften und letzten Mal um. Es folgen etliche Ausstellungen: 1889 im „Verein Berliner Künstler“, dazu Artikel im „Deutschen Reichsanzeiger“. Im Jahr darauf Ausstellung im  „Kunst – und Gewerbemuseum Hamburg“, dazu Artikel in „Hamburgischer Correspondent“ am 14. Dezember 1890. Zu seinem 70. Geburtstag, 1891, Ehrungen in zahlreichen Zeitungen. 1892 Aufnahme seiner Biografie in die 14. Auflage des Konversationslexikons des Brockhausverlages. Ende 1892 widmet er sich wieder dem Schneiden kleinerer Silhouetten. Mitte 1893 klagt Fröhlich über nachlassende Sehschärfe als Folge einer Influenza und befürchtet, dass es mit dem Schneiden wohl bald vorbei sei. Am 19. Dezember 1898 stirbt Karl Fröhlich 77-jährig in Berlin und erst 1916 folgt seine Frau Luise, ebenfalls 77-jährig.
2001 wird auf Antrag des „Kulturhistorischen Museums Stralsund“ eine Straße in einem Neubaugebiet im Westen Stralsunds nach ihm benannt. Das Lebenswerk Karl Fröhlichs besteht aus einem literarischen Teil und einer Unzahl von Scherenschnitten, die er durch Verkauf (Fröhlich lebte teilweise davon) und Verschenken allerdings sehr weit streut. Fröhlich verschenkt besonders gut gelungene Silhouetten lieber an verehrte Personen, als dass er sie verkauft (SAW 21/2002 S. 25). Der literarische Teil seiner Arbeit besteht aus zueinander passenden Texten und Silhouetten, die den Zeitgeschmack der zahlenden Abnehmer zu treffen versuchen. Der rein bildliche Teil besteht aus Silhouetten, nach dem Geschmack einer zahlenden Abnehmerschaft, und aus individuellen Motiven, die entweder auf den Empfänger zugeschnitten sind oder die in groben Zügen den Verlauf seines Lebens mit seinen einzelnen Phasen und Besonderheiten widerspiegeln. So lässt sich darin seine Kindheitsphase wiederfinden, der Kontakt zu Einzelpersonen (z.B. einzelne Familienmitglieder derer von Blanck auf Gut Libnitz/ Rügen)1, persönliche Ereignisse im Bekannten- und Verwandtenkreis, seine Reisen, seine Begegnung mit Müller und Konewka, seine Trauerphase, technisch revolutionierte Phasen seines Berufs- und Künstlerlebens, seine Einstellung zu Kindern, zu Volk und Vaterland und vielem mehr.
Karl Fröhlich war in seinem Stil und seiner Schneidetechnik variabel, er ließ sich inspirieren und probierte häufig etwas Neues und Anderes aus und drang dabei schneidetechnisch bis in den Bereich des Extremen vor. Auch bei einzelnen Bildelementen (z.B. Blätterformen) ist er variabel. So kann es vorkommen, dass sie immer wieder vereinzelt einmal auftauchen, sodass sich mit ihrer Hilfe nicht signierte und datierte Silhouetten leichter seinem Werk zuordnen lassen, was allerdings den dazu erforderlichen umfangreichen Fundus an Vergleichs-material voraussetzt. Typisch für sein Werk sind die auffallende Harmonie und Geschlossenheit seiner Bilder. Fröhlich besitzt die Fähigkeit, selbst kleinste Details erkennbar wiederzugeben. Dadurch muten seine Bilder poesievoll spätbiedermeierlich an und geben viel vom Alltagsleben seiner Zeit sowie vom Verlauf seines eigenen Lebens preis. Leider gibt es keinen kompletten Nachlass von Karl Fröhlich, sein Gesamtwerk ist in viele Fragmente zerteilt. Doch wo sind diese Einzelteile geblieben?
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Eine Vielzahl einzelner Scherenschnitte befindet sich im Besitz von Privatpersonen. Solche Scherenschnitte tauchen gelegentlich auf Floh- und Antikmärkten und bei Antikhändlern auf. Zahlreiche Publikationen, auch in fremdsprachlicher Übersetzung, erschienen im Eigenverlag und in Fremdverlagen, als Reprints bis in die Jetztzeit. Nachlasserbe (1916) war Georg Ticke (Adalbertstraße 74, Berlin SO 26) Er beschrieb 1918 den Nachlass von Luise Fröhlich. Es gab die „Marie Reutersche Sammlung Karl Fröhlichscher Scherenschnitte“ (begonnen 1861) mit insgesamt ca. 158 Scherenschnitten, vererbt 1897 an die Stralsunderin Elsa Pütter. Davon wurden 30 Stück 1899 der Sammlung des „Kulturhistorischen Museums“, Stralsund geschenkt, der Rest (128) ist im Sammlungsverzeichnis von 1927 des Dr. Ferdinand Pütter aufgelistet und kurz beschrieben. 1993 taucht diese Sammlung bei einem Antiquitätenhändler in Ratzeburg (Ostholstein) auf. 60 Scherenschnitte und das Sammlungsverzeichnis von 1927 konnten noch von mir erworben werden, der Rest war schon in Einzelstücken zuvor an unbekannte Käufer veräußert worden.
1916 erschien im „Wertheimer Jahrbuch“ ein „Lebensbericht über Karl Fröhlich“ von Prof. Dr. Richard Maurer. Ein Briefwechsel (51 Karten/ Briefe) mit Wilhelm Weimar, dem Direktor des „Museums für Kunst und Gewerbe“, Hamburg, und Karl Fröhlich wird 1918 vom „Historischen Verein Wertheim“ in einem Leipziger Antiquariat angekauft. Originalscherenschnitte von Karl Fröhlich befinden sich nunmehr ständig im „Karl-Fröhlich-Kabinett“ des Grafschaftsmuseums, Wertheim.
Diese Schnitte wurden 1983 in einer Ausstellung gezeigt und aus  diesem Anlass erschien eine umfassende Biografie Karl Fröhlichs mit kleinem Ausstellungskatalogteil (Wertheimer Museumsheft 6,1983). Über den Museumsbestand hinaus wurden Leihgaben aus Kiel, Lübeck, Neuss, Berlin, Hamburg und Wertheimer Privatbesitz gezeigt.
Im „Kulturhistorischen Museum“, Stralsund, befinden sich neben einem Teil der „Marie Reuterschen Sammlung Karl Fröhlichscher Scherenschnitte“ (vgl.Ziff. 4) ca. 21 zusätzliche Originalschnitte und ein Originalportraitphoto Karl Fröhlichs von 1891. Im Rahmen einer Sonderausstellung zum 100. Todestag Karl Fröhlichs wurde erstmalig der Druck eines im Besitz des Museums befindlichen Buchentwurfs Karl Fröhlichs mit dem Titel „Mit Scheere und Feder“ herausgegeben. 1997 tauchte in Hamburg eine kleine Karl Fröhlich-Sammlung aus dem Besitz eines Pfandverwalters Gandt auf. Es sind neun Silhouetten, ein Brief, ein Zeitungsartikel vom 14. Dezember 1890, ein Originalphoto (vgl. Ziff. 7). Diese Sammlung befindet sich nunmehr in meinem Besitz, das Photo ging als Schenkung an das „Kulturhistorische Museum“, Stralsund. Weitere Originale befinden sich in der „Nationalgalerie“, Berlin, im Kupferstichkabinett des „Germanischen Nationalmuseums“, Nürnberg, sowie in der Sammlung „Stiftung Pommern“, Greifswald.
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Ausstellungen, die ausschließlich dem Werk Karl Fröhlichs gewidmet waren, wurden im Text angesprochen. Darüber hinaus gab es Ausstellungen, die unter anderem auch Werke Fröhlichs zeigten. Möglicherweise wurde um 1927 eine Ausstellung mit ansprechendem Begleitbuch, in Stralsund geplant; ein grober Entwurf liegt mir vor. Diese Aufstellung ist gewiss nicht vollständig. Ich bitte um Hinweise auf Veröffentlichungen und Museen und um Fotokopien  von Originalen (gegen Kostenerstattung) zur Erweiterung meiner Unterlagen zu Karl Fröhlich. Ich beabsichtige, das Gesamtwerk Karl Fröhlichs soweit wie möglich zusammenzufassen und dadurch übersichtlich zu machen.

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Quellen:
1. Vorworte zu diversen Ausgaben von Werken Karl Fröhlichs (Altausgaben/ Neuausgaben)
2. Hinweise in Lexikalischen Werken zu Karl Fröhlich.
3. Wertheimer Museumsheft 6, 1983/ „Grafschaftsmuseum“, Wertheim.
4. Vorwort zur Erstveröffentlichung „Mit Scheere und Feder“ des „Kulturhistorischen Museums“, Stralsund.
5. Aufsatz von Wilhelm Weimar im „Hamburgischer Correspondent“ vom 14. Dezember 1890

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2 Antworten

  1. Mary Hermes sagt:

    I believe that I have a number of Karl Hermann Frohlich scherenschnittes. They were purchased in Odessa in 1930-1931 and sat in a trunk for about 50 years. I would like to learn more about these paper cuts. I have seventeen of these objects.

  2. I have sent to you some time ago an e-mail via the German paper cutting club. I was wondering what motives have their silhouettes from Karl Fröhlich.
    Kind regards from Kulmbach
    Your Christa Weber

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