Bachmann Christa

Christa Bachmannbachmann christa-foto

Autor(in)  Uta Meier-Schnürer
Vereinszeitung SAW 11

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Freunde und Weggefährten

Der Kunsterzieher Johannes Dinter begeisterte die 15-jährige Christa Bachmann, die schon vorher sehr aufgeschlossen jeder Art von künstlerischer Betätigung gegenüberstand, für den Scherenschnitt. Der Keim fiel auf fruchtbaren Boden, und von nun an suchte sie nach ihrem eigenen Weg, nach den Möglichkeiten und Grenzen im Umgang mit der Schere. Selbst als das Berufsund Familienleben den Alltag bestimmte, fand sie Zeiträume fürs Zeichnen, die Aquarellmalerei und den Scherenschnitt. Ihre Anregungen bezog sie aus der sie umgebenden Natur. Vielfältige Naturstudien schärften ihren Blick für das Wesentliche und Besondere und bildeten die Grundlage für die Umsetzung des Motivs in die Form des Scherenschnittes. Selbst Gefühle und Erlebnisse schnitt sie ins Papier, „eigentlich geschnittene Tagebuchblätter“, wie sie selbst formulierte.

1951 begegnete Christa Bachmann anläßlich der Übergabe von Wettbewerbsarbeiten ihrer Schüler der Leiterin des Graphischen Kabinetts am Städtischen Museum Chemnitz, Johanne Müller. Dieses Treffen erlangte für ihre weitere Entwicklung entscheidende Bedeutung. Johanne Müller engagierte sich sehr für das jugendliche Laienschaffen, und so ermunterte sie auch die junge Limbacher Künstlerin und förderte deren Beteiligung an Ausstellungen und Wettbewerben. Schon die ersten Arbeiten erfuhren große Beachtung. Damit wuchs bei Christa Bachmann das Vertrauen in die eigene Leistung, es machte sie sicherer, aber keineswegs überheblich.

Trotz Mehrbelastungen nahm sie Gelegenheiten, sich in Lehrgängen auf dem Gebiet der Graphik und der angewandten Kunst weiterzubilden, gern an. Unter Anleitung des Dresdener Graphikers Gerhard David intensivierte sie 1955/56 im Rahmen von Kursen ihre Auseinandersetzung mit der Druckgraphik. Die so gewonnenen Erfahrungen im Umgang mit dem Linol- und Holzschnitt halfen ihr, noch klarer die Eigenheiten der Ausdrucksweise des Scherenschnittes zu erkennen. Christa Bachmann bemühte sich um vielfältige Kontakte zu anderen Scherenschneidern, in der Mehrzahl Scherenschneiderinnen.

Nachdem ein vom Bezirkskabinett für Kulturarbeit organisierter Scherenschnitt-Wettbewerb eine große Beteiligung und Resonanz erzielte, leitete Christa Bachmann 1961 sehr erfolgreich ein Scherenschnitt-Seminar. Von dem damaligen Leiter des Bezirkskabinettes Gerd Zimmer erfuhr sie ebenfalls viel Unterstützung, und zu ihm besteht noch immer ein guter Kontakt. Aus den Scherenschnitt-Seminaren konstituierte sich eine Scherenschnittgruppe, deren Mitglieder sich bis heute treffen, gemeinsam schneiden, über ihre Arbeiten offen diskutieren und sich somit gegenseitig fördern. Damit pflegen und profilieren sie den Scherenschnitt als eigenständiges künstlerisches Genre.

Es würde zu weit führen, wollte man die zahlreichen Aktivitäten und Ausstellungen benennen. Christa Bachmann war von Beginn an dabei und ist seit über drei Jahrzehnten ein nimmermüder Motor dieser einzigartigen Gruppe. Daneben hat sie natürlich ihre berufliche Tätigkeit genutzt, um immer wieder die junge Generation an das Scherenschneiden heranzuführen, Talente außerunterrichtlich zu fördern und eventuell in die bestehende Gruppe zu integrieren. In all den Jahren hat sich bei Christa Bachmann nie Selbstzufriedenheit eingeschlichen. Immer wieder nimmt sie Kritik dankbar an, experimentiert, ist kreativ und sucht nach neuen Lösungen. Aufgrund dieser Einstellung kann man im Umgang mit ihr und ihren Werken auf Entwicklungen und Überraschungen gespannt sein.

 

Florales

Blumen und Blüten bilden einen Schwerpunkt im Schaffen von Christa Bachmann. Es gibt bachmann-11-april99-02wunderschöne, filigran anmutende freie Schnitte bzw. Hohlschnitte. Trotz aller natürlichen Verflochtenheit ist doch jede pflanze gut erkennbar. Die Einheit von Form und Inhalt läßt den Betrachter des Hohlschnitts „Gräser im Rauhreif“ die Kälte nachempfinden. Beim Faltschnitt muß die Wildheit der Natur schon in geordnetere Bahnen gebracht werden. Das „Blumentor II“1) gibt dem ungestümen Streben und Wachsen einen Rahmen. Größere Abstraktion und ausführliche Naturstudien verlangen die Umsetzung von floralen Themen als Zentralfaltschnitt, als Ornament. Die „Zinnie“ und das „Kiefernornament“ sind Beispiele für die Beherrschung der Technik und Ausschöpfung ihrer spezifischen Aussagekraft.


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 Brauchtum

Mit dem Faltschnitt „Alte Schneeberger Weihnachtspyramide“ gestaltete Christa Bachmann ihre Eindrücke von erzgebirgischer Weihnacht. So wird ein in Jahrhunderten gewachsenes Brauchtum in seiner Aussage verdichtet und scherenschnittgerecht dargestellt. Sie versuchte aber auch, den umgekehrten Weg zu gehen. So wollte sie mit dem Scherenschnitt „Zuckertütenbaum“ dazu anregen, eine in ihrer Kindheit noch gebräuchliche Sitte zur Schuleinführung wieder lebendig werden zu lassen. Eine interessante Variante für den steten Kreislauf der Natur, in den die Menschen eingebunden sind, ist der „Jahresring“. Der „Osterbaum“, die 4 Blätter der „Jahreszeiten“, aber auch die „Klöpplerinnen unterm Blütenbaum“ gehören in diesen Themenkreis.

 

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 Bäume

Für Christa Bachmann wohl eines der sensibelsten Themen; „Sehr naturverbunden liebte ich frühzeitig Bäume, die als Gegenstand meiner Scherenschnitte in vielen Darstellungsformen sehr variabel verarbeitet sind und mich bis heute immer wieder zur Gestaltung reizen und zum Vermittler meiner Bildaussagen werden. Sie spannen den großen weiten Bogen über mein gesamtes Schereilschnittschaffen.“ Die Bäume Christa Bachmanns bedürfen keiner Erläuterung. Je nach eigenen Erfahrungen und Stimmungen lösen sie beim Betrachten verschiedenste Emotionen aus.

 

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 Experimentelles und Musik

„Kurven“, „Eissplitter“, „Schwerelos“ und „Gebaute Ordnung“ zeigen ganz neue Seiten der Künstlerin. Die Lust am Scherenschneiden konnte in all den Jahren nie versiegen, weil es aufregend und spannend ist, bekannte Dinge und eigentlich bildlich Unfaßbares mit der Schere neu zu sehen. Schon 1950 entdeckte sie ihre besondere Vorliebe für die Umsetzung von Musik. In den vergangenen Jahren widmete sie sich erneut der Verarbeitung von Tönen und Klangerlebnissen, dabei kam sie für sich selbst zu ganz neuen Kompositionen. Gerade diese Schnitte vereinen die Gefühlswelt, die langjährigen Erfahrungen und das nicht müde werden ihres schöpferischen Wesens auf der Suche nach neuen Inhalten und Ausdrucksformen.

 

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