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TARON Gabriele Basch, Gesa Lange

April 2 - Mai 22

 2. April – 22. Mai 2017

Vernissage: 2. April, 11 Uhr mit einem Künstlergespräch mit Dr. Ulrike Hauser-Suida

Upart

Galerie für zeitgenössische Kunst Villa Knoeckel
Quellenstr. 32
67434 Neustadt

Öffnungszeiten: Mi, Do, So 14 -18 Uhr

Pressetext

Gabriele Basch: mondnacht II, 2017
 Lack auf Papierschnitt
133 x 229 cm

Gabriele Basch zeigt in der Ausstellung „taron” grossformtige Papier- und raumgreifende Folienschnitte.
Einer der Ausgangspunkte für die künstlerische Arbeit von Gabriele Basch war der Weißschnitt, eine besondere Form des kleinen Andachtsbildes welches im 17. Jahrhundert entwickelt wurde. Bei Basch wird das Andachtsbild in eine Suche nach einem urbanen zeitgenössischen „Heimatbild” umgewandelt.

Bei den Motiven der gezeigten Arbeiten in Neustadt hat Basch ein breites Spektrum. Architektur, folkloristische Elemente und Naturdarstellungen werden auf einer Ebene zunächst in das Papier geschnitten, bevor die Papierschnitte beidseitig in unzähligen Schichten lackiert werden.
Die Künstlerin liebt das asymmetrische Gerangel widersprüchlicher Zeichen. Basch`s Werke sind sublime Berichterstattungen von diesem Kriegsschauplatz der Signale. Oberflächen, Schatten und Strukturen, feine Valeurs und harsche Kontraste werden auf spannende Art und Weise zu Bildern verknüpft, die raffiniert und überraschend sind.

Schwarz und Weiss sind in dieser Ausstellung vorherrschend. Farbe lodert an einigen Stellen fast aggressiv auf oder sucht sich auf der Wand als Reflexion von etwas Vergangenen ihren Platz.
Das Wiederholungs-Motiv ist in allen Werken der Ausstellung durchgängig: an anderen Orten zu anderer Zeit erscheint etwas wieder, was schon einmal da war. Unsere Gegenwart scheint von Gespenstern verlorener Zukünfte heimgesucht zu werden, so das die Sehnsucht nach Neuem also paradoxerweise rückwärts- statt vorwärts gewandt ist.Traumartig kehren bestimmte Elemente der Beobachtung zurück. Reale Bildelemente treffen auf abstrakte Formelemente und verweben sich zu einem eigenwilligen ornamentalen Bildfluss.

Gesa Lange
wahrscheinlich I, 2015

Bleistift und Graphit auf Leinwand
166 x 118 cm

Gesa Lange arbeitet mit den klassischen Zeichenmaterialien Bleistift und Grafit auf Nesselstoff, dem traditionellen Untergrund der Malerei, meist in großen Formaten. Ausgehend von der aufgestellten These, dass es keine Linie gibt, welche das ursprüngliche Charaktermerkmal der Zeichnung ist, sondern nur Flächen, stellt sie als Konsequenz ebenfalls das Vorhandensein von Grenzen in Frage. In ihren Zeichnungen untersucht sie daher Räume, die zwischen Zuständen, dem Wechsel von einem Ort zu einem anderen Ort, entstehen können und die sich meistens jeglicher Greifbarkeit entziehen. Kann es überhaupt einzelne, abgeschlossene Zustände geben oder befindet sich jeder Augenblick in einem unkoordinierten Moment? Hat Gesa Lange in ihrer Arbeit versucht, so einen vermeintlichen Zustand zu beschreiben, wird er auch gleich wieder durch Überarbeitung in Form von Entfernung der Beschreibungen zerstört. Hierbei schiebt sich die ständige Sehnsucht, Erlebtes bewahren und somit immer wieder erfahrbar zu machen, regelmäßig vor die Erkenntnis, dass diese Momente sich längst mit dem Jetzt verbunden haben und davon nicht zu trennen sind und warten dennoch auf eine erneute Überprüfung. Die verbleibenden Spuren bieten die Grundlage für die folgenden Zustandsbeschreibungen. Durch die immer und immer wiederkehrende Überarbeitung und die immer und immer folgende Entfernung des Beschreibung untersucht die Künstlerin zum einen den Grad der herrschenden und zum anderen den Zeitpunkt der einsetzenden Eigenständigkeit, die einer Neudefinition dieser Zwischenzonen unterschiedliche

Hürden stellen. Die Beschaffenheit, die Gewichtung, das Zeitvolumen und das Ausmaß dieser Orte wird auf ihre existierende Gültigkeit überprüft. In Zeichnungen und Installationen erschafft sie detailreiche Welten, in denen Erinnerungen als neu geschaffene Wirklichkeiten, jedoch ohne zeitlichen Anfang oder Ende, behauptet werden. Hierbei interessiert sie nicht nur die Struktur, sondern der gesamte Charakter, das Wesen und die Spuren, die in den zu erfassenden Räumen eingegraben und zu entdecken sind. Das Ergebnis beinhaltet den Zerfall, die Konservierung und die Transformation. Die in den Arbeiten immer wiederkehrenden Muster und Ornamente dienen als Ordnungs- und Orientierungshilfe in den Gedankengängen auf dem Bildraum.

„Gesa Lange löst in ihren neuen Arbeiten von der konkreten Vorlage, dem Ursprungszustand im Originalmaßstab und nähert sich fortan intuitiv der Beschreibung eines Raums in Auflösung.

In einem wellenartigen Prozess des Abtragens und Anhäufens, akkumuliert Lange zunächst unzählige Schichten aus Bleistiftschraffuren, nur um diese dann erneut – mit Schwämmen, Schmirgelpapier oder Parafin, welches im trockenen Zustand von der Leinwand gekratzt wird – abzutragen, zumindest teilweise. Dieses geschieht auf dem klassischen Untergrund der Malerei, der Leinwand, welche sich texturell eigentlich der zeichnerischen Bearbeitung widersetzt: Nur mit ausdauerndem und kraftvollem Druck können Graphit und Nesselstoff zusammengebracht werden.

Langes künstlerische Auseinandersetzung mit dem Raum und seiner Auflösung wird von Fragen zur Definition von Räumen und ihren Beschaffenheiten im Allgemeinen begleitet. Dabei interessieren sie vor allem emotionale Qualitäten, die hinter der physikalisch-geometrischen Natur „lokalisierter Räume“ (Foucault) verborgen sind, wie sie bereits von KünstlerInnen wie Terry Winters oder Agnes Martin untersucht worden sind. Im Zusammenhang mit positiver, psychischer Verbundenheit zu Orten, speziell Häusern, Hütten und Nestern, spricht der französische Philosoph Gaston

Bachelard von „geliebten Räumen“, die als „Räume der Intimität“ oder topophile Orte subjektive Innerlichkeit mit dem dichterischen Bild als „direkte(m) Erzeugnis des Herzens, der Seele des

Menschen“ verbinden. Genau wie dieses „poetische Bild“ in der Lage ist, Realitäten zu schaffen, die sich als innerer Raums verdichten, sind auch andere, künstlerisch erschaffene Bilder, so wie die von

Gesa Lange, dazu in der Lage. Auch ihre Bilder lassen sich „nicht messen.Wenn es [das Bild] die Sprache des Raumes spricht, wechselt es doch immerfort die Größe. Der geringste Wert dehnt es aus, erhebt es, vervielfacht es. Und der Träumer [rêveur] nimmt die Seinsform seines Bildes an. Er saugt den ganzen Raum seines Bildes in sich auf.“ (Textauszug von Christiane Opitz, 2016)

Details

Beginn:
April 2
Ende:
Mai 22
Veranstaltungskategorie:
Veranstaltung-Tags:
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Veranstaltungsort

UP ART CONTEMPORARY Galerie für zeitgenössische Kunst, Villa Knoeckel
Quellenstraße 32
Neustadt, 67433
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