Lade Veranstaltungen

« All Events

  • Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.

Schnittestelle. Cut-out trifft Schattenriss

Juli 6 - November 4

6. Juli – 4. November 2018

August Macke Haus, Bonn

Den Auftakt zu Brückenschlägen in die Gegenwartskunst im Museum August Macke Haus macht eine Ausstellung, die ein traditionsreiches Medium und seine zeitgenössischen Neuinterpretationen durch 16 Künstlerinnen und Künstler vorstellt: Aus der alten, in ihren Formaten und Formen beschränkten Technik des Scherenschnitts entwickelt sich gegenwärtig ein sensationell vielgestaltiges Spektrum künstlerischer Positionen – von miniaturhaft kleinen Exponaten zu raumfüllenden Installationen, vom strengen Schwarz-Weiß zur Farbe, von einer  vegetabilen Ornamentik zum politischen Statement.

In Form eines kleinen Prologs richtet sich der Blick auf Ernst Moritz Engert (1892–1986), ein im Kreis der Rheinischen Expressionisten ausgewiesener Silhouettist und Schattenspieler, sowie auf Lotte Reiniger (1899–1981), eine Pionierin des Animationsfilms. Ausgehend von den ausdrucksstarken Arbeiten des Expressionismus, zu denen eine noch nie gezeigte Collage von August Macke (1887–1914) gehört, entfaltet sich ein spannungsvoller Parcours mit zeitgenössischen Werken, die alle Möglichkeiten mit Papier, Schere, Messer oder Skalpell spektakulär ausreizen.

Dass der Papierschnitt durch seine besondere Prägnanz kritisches Potential besitzt, beweisen Künstler wie Felix Droese (*1950) und Annette Schröter (*1956). Während Droese in monumentalen Schattenrissen den Umgang mit kritischen Anfragen durch die Kunst ironisiert, inszeniert die in Leipzig tätige Annette Schröter zum Klischee geronnene Motive des sozialistischen Realismus. Gewalt und Unterdrückung charakterisieren die nur auf den ersten Blick harmlos wirkenden Arbeiten von Tobias Gerber (*1961), die in ihrer mäandernden Ausprägung an frühe Formen des Schattentheaters erinnern.

Das Interesse von Anett Frontzek (*1965) gilt Ordnungssystemen  wie See- und Landkarten, die zur Erschließung der Welt entwickelt wurden und heute wie historische Relikte einer vordigitalen Zeit wirken. Ausgehend von computergenerierten Formen entwickelt Lena von Goedeke (*1983) schließlich fragile Landschaftskompartimente von fremdartiger Schönheit mit verblüffender Fern- und Raumwirkung.

Zipora Rafaelov (*1954) zeigt erstmals aus ihrer Serie Relaxing Women drei Beispiele lasziv lagernder Frauen, die in Bildsprache und Farbigkeit Erinnerungen an Werke von Henri Matisse oder Otto Dix wachrufen. Marion Eichmanns(*1974) überbordende, bunte Papierschnitte reflektieren zeitgenössische Konsum- bzw. Wohnwelten. Für die Bonner Ausstellung erarbeitete sie eine ortsspezifische Variante ihrer Installation Laundromat, eines hyperrealistischen Waschsalons. Bunt kommen auch die Headhunters von Volker Saul (*1955) daher: kleine Manipulationen verwandeln abstrakte Formen in skurrile Monster.

Der zeitgenössische Begriff ›Cut-out‹ schließt raumgreifende Installationen ein. Der Münchner Andreas Kocks (*1960) realisiert für die Bonner Schau eine Arbeit, die sich mit den  Paradiesvorstellungen von August Macke auseinandersetzt. Heike Weber (*1962) arbeitet mit mehrlagigen vegetabilen Formen von beeindruckender Plastizität und kreiert für das Museum August Macke Haus ebenfalls einen neuen, wandfüllenden Schnitt. Das Thema Natur beschäftigt auch die Bonner Künstlerin Cornelia Genschow (*1974), die für ihr Schablonen-Graffiti dort auf Spurensuche ging, wo Mackes berühmtes Landschaftsgemälde ›Am Rhein bei Hersel‹ (1908) entstand. (Pressetext)

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog, hrsg. von Klara Drenker-Nagels und Martina Padberg zum Preis von 29,80 Euro an der Museumskasse.

alle Abbildungen © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
außer:  Hans Lankes, August Macke

Veranstaltungsort

August Macke Haus
Hochstadenring 36
Bonn, 53119
+ Google Karte