Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
Christa Weber (SAW 25)
Aus dem achtundachtzigsten Jahresbericht des
Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, im Frühjahr 1942, Seite
54 unter dem Stichwort Kupferstichkabinett darf ich Folgendes zitieren:
„Durch das dankbar empfundene Entgegenkommen von Professor Max Bucherer-Zürich
war es nach Überwindung mancher Schwierigkeiten möglich, seine
bekannte Sammlung von Spitzenbildern, Papierschnitten und Silhouetten –
190 Blatt – zu erwerben. Besonders der Papierschnitt füllt eine Lücke
unseres Kabinetts und in ihm die seltenen, noch mit dem Messer aus weißen
Papier geschnittenen Erstlinge dieser Kunst, die um 1653 Rudolf Wilhelm
Herr von Stubenberg auf Kopfenberg in Steiermark, sprühend vor Einfällen
und unübertroffen in der ausdrucksstarken Gestaltung, der stumpfen
Materie abgewann. Köstlich ist sein auf dem Umschlag abgedruckter
Messerschnitt, (Abb.1) den man Begegnung zwischen Nord und Süd
nennen könnte. Linkerhand eine nordische Metamorphose, weht allerlei
Getier aus dem Baumwipfel, scheint sich das Pflanzliche ins Tierische zu
verwandeln, nicht anders, als seit grauer Vorzeit nordisches Ornament von
Blatt- zu Tierwerk wird und sich rückverwandelt. Vom Baume rechts
lösen sich die Götter der Antike. Zeus mit den Blitzen, Merkur
setzt mit vorgehaltenem Flügelstab zum Tiefsturz an und Amor wirft
sich mit loderndem Herzen, bedrängt vom Waldmenschen Herkules, dem
Adler auf dem Mittelbäumchen entgegen, doch unbeirrt greift unten
ein steirischer Holzhauer den Götterbaum an. Mit der Überweisung
eines riesigen wohl chinesischen Papierschnittes vom späten 17. Jahrhundert,
der Überlieferung nach aus markgräflich Ansbachischem Besitz,
rundete die Universitätsbibliothek Erlangen – Direktor Prof. Dr. Stollreither
– unseren Neubesitz dankenswert ab. Die symmetrisch mit exotischen Tieren
und Vögeln, Tulpen und Doppeladlern zwischen kalligraphischen Ornamenten
als Tischdecke geschnittene Arbeit verrät den Einfluß Europas
(148,5x109 cm).“
1969 schenkt Professor Fritz Griebel (er war bis 1957 Direktor der Nürnberger
Kunstakademie) einige Blätter (ca.19 Stück) von seinen Scherenschnitten
dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg.
Im Kupferstichkabinett des Germanischen Nationalmuseums kann man sich die
obengenannten Scherenschnitte und die Sammlung von Professor Max Bucherer
vorlegen lassen.
Es ist ein einzigartiges Erlebnis und ein Einblick ins 17.,18.,19. und
20. Jahrhundert. Nur um einige Beispiele zu nennen: Vertreten sind Rudolf
Herr von Stubenberg, Luise Duttenhofer, Emma Eggel, Wilhelm Müller,
Karl Fröhlich, Fritz Griebel und Ursula Kirchner. Der Besuch ist eine
Reise wert.
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