| Name | Waßmann-Kanning, Luise |
| Geboren am .. | 1914 |
| Verstorben am ... | |
| Vereinszeitung Ausgabe | SAW 14 |
| Autor(in) | Ulla Kanning |
Lebenslauf:
1914 geboren in Hemelingen bei Bremen
1920 Einschulung
1933 DRK-Schwester im „Elisabeth-Haus“
Bremen; OP-Schwester in der Städtischen Krankenanstalt Bremen
1939 Kriegseinsatz als OP-Schwester bei
der Luftwaffe
1945 Mai bis Juni russische Gefangenschaft;
dann zurück zur Städtischen Krankenanstalt Bremen
1946 Beurlaubung vom Mutterhaus für
zwei Jahre zum Studium an der Kunstschule Bremen
1955 Hausfrau und ehrenamtliche Arbeit
mit Kindern beim Bremer Amt für Jugendförderung im „Nachbarschaftshaus
Bremen“
1972 Umzug nach Kirchlinteln bei Bremen;
ehrenamtliche Arbeit mit Kindern in der Kirchengemeinde
1998 Mitglied beim Deutschen Scherenschnittverein
e. V.

Ausstellungen und anderes
1984 Bremer Presseclub - 1984 Sparkasse
Schneverdingen - 1985 Sparkasse Kirchlinteln - 1993 Kunst im Krankenhaus
in Lilienthal; Arbeiten für das Dürer-Haus in Bremen, die Bremer
Kirchenzeitung, die Schwesternzeitung u. a.
Wer mit 85 Jahren nach einem erfüllten und anstrengenden Leben seine Hände in den Schoß legen möchte - bitte sehr! Es ist sicherlich sein gutes Recht. Wer aber aufgrund einer vorhandenen Begabung die Fähigkeit hat, hinter menschliche Fassaden zu schauen, das eigentliche Wesen des Gegenübers oder gegenständlichere Motive zu erfassen und es mit Schere und Papier künstlerisch „auf den Punkt“ zu bringen, der sollte das zur Freude seiner Mitmenschen unbedingt auch weiterhin tun. So wie Luise Waßmann-Kanning, die 85jährige Künstlerin aus dem niedersächsischen Kirchlinteln bei Bremen. Ihr Leben führt sie noch immer im Unruhestand, gelegentlich auf Reisen, oft auf der Suche nach Motiven, immer offen für Eindrücke und Ideen, die sie in Scherenschnitte umsetzen kann.
Mangel an allem
Luise Waßmann-Kanning kam auf sehr
unkonventionelle Weise zur Kunst des Scherenschnittes. Im Schoße
einer großen Handwerker-Familie und eines dörflichen Vorortes
von Bremen aufgewachsen, arbeitete sie mit zwanzig Jahren als Rote-Kreuz-Schwester
in einem Bremer Krankenhaus. „Es war eine Zeit des Mangels an allem“, erinnert
sie sich. Eine Zeit also, in der die Menschen mit geschultem Auge Ausschau
hielten nach Materialien und Gegenständen, die sie im Alltag anderweitig
einsetzen und verwerten konnten. Luise Waßmann-Kanning stolperte
als OP- und Röntgenschwester schnell über die Röntgenfilmverpackungen,
die in großen Mengen im Mülleimer landeten - aber lassen wir
sie am besten selbst erzählen:
„Wenn ich nicht mit 20 Jahren Rote-Kreuz-Schwester
geworden wäre, wer weiß, ob ich dann jemals zur Schere gegriffen
hätte. Dazu kam, daß ich Operationsschwester wurde und neben
dem Dienst auch Bereitschaftsdienst hatte. Dieses 'Daseinmüssen' versuchte
ich nun sinnvoll auszunützen. Außerdem wurde ich Röntgenschwester.
Auch hier war der Dienst mit Bereitschaft auf dem Zimmer verbunden.
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Original 25x18 cm |
Original 17x10 cm. |
Original 14x10 cm. |
Und hier liegt nun eigentlich die Ursache. Die Röntgenfilme waren alle in wunderschönem glatten schwarzen Papier verpackt. All dieses schöne Papier wanderte in Massen in den Papierkorb.
War es nun meine von Haus aus mitgebrachte Sparsamkeit oder war es die Freude am Gestalten? Ich kann es nicht sagen, auf jeden Fall begannen damals mit Hilfe der 'Iris'-Schere aus dem Augenoperationssaal meine ersten Versuche“1: Zwerglein und Engel zu Weihnachten, Hasen zu Ostern und das gleich in jeweils vierfacher Lage. Diese Kunstwerke fanden Beachtung und zogen Aufträge nach sich: Grußkarten und Lampenschirme für den privaten Gebrauch und Illustrationen für kirchliche und medizinische Fachzeitschriften. Immer flinker ging die Arbeit von der Hand, und die Motivvielfalt vergrößerte sich ständig (siehe Vignette Seite 19).
Schlußvignette: Luise Waßmann-Kanning's
Röntgenpapier-Gesellschaft.
Beurlaubung fürs Studium
Ein Krankenhaus-Arzt wurde auf ihre Fähigkeiten
aufmerksam und riet ihr, ein Kunststudium zu beginnen, um das zweifellos
in erheblichem Maße vorhandene künstlerische Talent zu untermauern.
Unterstützt von ihrer Oberin entschied sich Luise Waßmann-Kanning
dazu und wurde von 1946 bis 1948 vom Krankenhausdienst beurlaubt.
„Bei Professor Walter Ohlsen und August
Welp lernte ich nicht nur das Zeichnen, ich erlernte das Wesentliche aller
bildenden Künste: Das Sehen!“ resümiert sie heute. Sie übte
sich darin, die von ihr gewählten Motive zu vereinfachen und das eigene
Wesen in die Schere zu legen.
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Dank einer feinen Beobachtungsgabe tummeln sich in ihrem Gesamtwerk zahlreiche urige Gestalten, echte menschliche Originale zumeist, in klarer Linienführung festgehalten. Langgezogene Körperpartien akzentuieren die Charaktere der Personen, und nie beschränkt sich Luise Waßmann-Kanning auf reine „Schwarz-Weiß-Malerei“. Es sind die leisen Zwischentöne des Menschseins, die sie sichtbar macht, wobei Einfühlungsvermögen und ein gerüttelt Maß an Humor ihre Schere lenken. Luise Waßmann-Kanning arbeitet ohne vorheriges Skizzieren, setzt Gesehenes und Gelesenes ohne viel Aufhebens in Scherenschnitte um.
Dem Scherenschnitt untreu
Vor der ersten Ausstellung im Presseclub
im Bremer Schnoor wurde Luise Waßmann-Kanning für das Bremer
„Amt für Jugendförderung“ und ab 1974 in der Jugendbetreuung
der Kirchengemeinde Kirchlinteln tätig. „Mit den Kindern bin ich in
die Natur hinausgegangen und habe das Gesehene direkt in Scherenschnitte
umsetzen lassen“, erinnert sich die Künstlerin. Ein Streifzug durch
alle künstlerischen Ausdrucksfähigkeiten folgte: Sie lernte Töpfern,
Emaillieren, Spinnen und Weben, Filzen, Basteln mit allen möglichen
Materialien und vieles andere mehr. Sie erwarb sich so neue Blickwinkel
und Ausdrucksformen. Die Arbeit mit Kindern ließ sie dem Scherenschnitt
vor-übergehend untreu werden, nur hin und wieder griff sie zu Schere
und Papier. „Ich war es müde, immer Wünsche erfüllen und
nach dem Geschmack der Auftraggeber arbeiten zu müs-sen“, sagt sie.
Dazu habe es in dieser Zeit auch kein Papier gegeben, das ihren Anforderungen
genügte. Nichts sei mit dem Röntgenpapier aus ihren künstlerischen
Anfängen vergleichbar gewesen.
Alte Liebe neu entdeckt
Durch die Zeitschrift des „Deutschen Scherenschnittvereins“
wurde vor zwei Jahren eine alte Liebe neu geweckt und endlich ein Lieferant
für vergleichbar gutes Scherenschnittpapier gefunden. Seitdem widmet
sich die „Kirchlint'lerin“ wieder fast ausschließlich der Kunst des
Scherenschnittes.
Luise Waßmann-Kanning ist immer
mit der Zeit gegangen. Schnörkelreiche Scherenchnitte mit süßlichem
Beigeschmack sind ihre Sache nicht, wohl aber pfiffige Darstellungen mit
herzerfrischend schlichten Konturen und witzigen Details. In der Sammlung
ihrer Werke, die sie in unzähligen Heften, Ordnern und Hüllen
aufbewahrt (nur die größten Werke hängen ordentlich eingerahmt
an der Flurwand), findet sich immer etwas zum Schmunzeln. Ob Blumenstrauß,
christliches Motiv, Federtier oder Urlaubsimpression - jedes Bild regt
zu längerer Betrachtung an.
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Auszug aus dem Gedicht: „... Warum, Zauberer aller Länder, vereinigt ihr euch nicht, um ein Wunder zu vollbringen, das die Kriege demoralisiert? Warum laßt ihr nicht Kanonen Rosen schießen und Bomben sich in Blumen auflösen?!“ |
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In dieser Tradition entstanden auch die jüngsten Werke, die sie mit altem, neuem Elan gefertigt hat. Ihr Gesamtwerk ist noch lange nicht vollendet, denn Luise Waßmann-Kanning hegt zahllose Ideen, die auf ihre Umsetzung in Scherenschnitte warten, und es kommen tagtäglich neue hinzu. Zeit, die Hände in den Schoß zu legen, hat sie jedenfalls nicht.