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  Künstler
    Voigt, Elisabeth

Name Voigt, Elisabeth, geb. Lehmann
Geboren am .. 17.12.1914 in Dresden
Verstorben am ... 23.10.2003 in Ulm
Vereinszeitung Ausgabe SAW 29
Autor(in) Sigrid Ladig und Rosemarie Hanesch


Als junges Mädchen besuchte Elisabeth Voigt nach der Grundschule das Luisenstift in Radebeul bei Dresden, das sie mit der Mittleren Reife abschloss. Danach wechselte sie in den musischen Zweig der Deutschen Oberschule in Dresden und beendete ihre Schullaufbahn erfolgreich mit dem Abitur.
Dass sie ihre Leidenschaft für den Scherenschnitt schon in frühester Jugend zum Ausdruck brachte, belegt ein Brief, den sie an ihre Großmutter geschrieben und mit einem Scherenschnitt verziert hatte. Leider ist dies das einzige Dokument ihrer frühen Begabung, das uns aus dieser Zeit erhalten geblieben ist.
Es war ihr Wunsch, Kunst zu studieren, um schließlich Lehrerin zu werden. Da Elisabeth Voigt aber nicht in der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands war, musste sie vorher ein Jahr Arbeitsdienst ableisten. Das hielt sie jedoch nicht davon ab, nebenher schon einige Kurse in der Kunsthochschule Dresden zu besuchen. In dieser Zeit zeigte sie ihre Scherenschnitte erstmalig in einer Ausstellung, mit dem Ergebnis, dass der Schnitt vom „Heiligen St. Georg“ sogar in einem Kalender von 1937 abgebildet wurde.
Im gleichen Jahr heiratete sie und zog mit ihrem Ehemann nach Berlin. Das selbstverständliche Frauenschicksal dieser Generation als Hausfrau und Mutter teilte nun auch sie – und verzichtete damit auf eine eigene Ausbildung. Doch bald schon warf der Zweite Weltkrieg seine Schatten auf die junge Familie. Evakuierung, Flucht und Vertreibung waren zu überstehen; Hunger, Not und Elend zu verkraften und dabei sieben Kinder zu versorgen und großzuziehen. Kein Wunder, dass kaum Kraft und Zeit blieben, den eigenen Wünschen nach künstlerischen Tätigkeiten nachzugehen. Erst im hohen Alter, nämlich nach dem Tod ihres Ehemannes, fand Elisabeth Voigt erneut die Muße, ihrer künstlerischen Begabung wieder Raum zu geben. Sie fertigte aufs Neue Scherenschnitte, insbesondere Glückwunschkarten und zahlreiche Motive für ihre Enkelkinder. Die meisten ihrer Scherenschnitte entstanden aber in früher Jugend und in den ersten Ehejahren. Diese bewahrte die Künstlerin bis auf die wenigen, die in ihrer ersten Ausstellung gezeigt worden waren, „unaufgezogen“ in Büchern und Heften auf. So gelang es ihr, ihre Kunstwerke durch alle Kriegswirren hindurch zu retten. Doch dort, wo sie waren, versteckt in alten Büchern, blieben sie viele Jahrzehnte, bis sie nach Elisabeth Voigts Tode im Jahre 2003 bei der Auflösung ihres Haushalts wieder entdeckt wurden. Nun endlich wurden die Scherenschnitte im eigentlichen Sinne fertig gestellt: Die empfindlichen Kunstwerke wurden aufgezogen, gerahmt und seither in mehreren Ausstellungen der Öffentlichkeit gezeigt.
 

Techniken und Arbeitsweise
Elisabeth Voigt hatte keine Ausbildung im Scherenschneiden erhalten, sie eignete sich alle Kenntnisse in dieser Kunst autodidaktisch an: Sie fertigte sowohl Schattenrisse als auch echte Scherenschnitte, also Schwarz-Weiß-Bilder mit oder ohne Binnenzeichnung. Sie schnitt Positiv- ebenso wie Negativbilder, wobei sie mit allen diesen Techniken virtuos umging. Wenn sie die Kunstwerke schuf, nahm sie ihre kleine Schere und das schwarze Scherenschnittpapier zur Hand, blickte konzentriert auf das Papier und schnitt hinein, ohne auch nur einen einzigen Strich vorzuzeichnen. Dabei näherte sie sich nicht langsam der Form, indem sie kleine Teile wegschnipselte oder gar etwas anklebte, sondern sie schnitt ein Bild aus dem Papier direkt aus, wie es in ihrer Vorstellung bereits vorhanden gewesen war. Und obwohl sie ganz feine Scherenschnitte schuf, benutzte sie weder Schnittmesser noch Nadel. Sie verwendete nur ihre Schere und erreichte trotzdem äußerst filigran und treffend gestaltete Figuren, die sie liebevoll und bis ins Detail genau wiedergab.
Themenkreise
Eine besondere Vorliebe von Elisabeth Voigt galt Märchen und Sagen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sie Märchenmotive und -figuren in ihren Scherenschnitten bevorzugt thematisierte. Darüber hinaus gestaltete sie viele Kinderszenen und Bilder zu verschiedenen Festen, insbesondere zu Weihnachten. In ihrem umfangreichen Werk finden sich aber auch etliche Landschaftsdarstellungen und Werke, die - Karikaturen gleich - zum Schmunzeln anregen.