| Name | Toncic, Veva |
| Geboren am .. | 11.03.1912 |
| Verstorben am ... | 01.04.1992 |
| Vereinszeitung Ausgabe | SAW 26 |
| Autor(in) | Ingrid Englert-Fally |
1936-1940 Ausbildung als Steinbildhauerin
bei dem Steinmetzmeister und Bildhauer Leo von Moos in Salzburg.
1943-1944 Meisterklasse der Bildhauerei
an der Akademie der Bildenden Künste Wien
Assistentin für Steinarbeit bei Prof.
Fritz Behn. Zeichnen bei Prof. Boeckl. Freischaffende Künstlerin bis
zu ihrem Tode.
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Die graphisch interessanten Arbeiten lassen mehrere Betrachtungsweisen zu. Einerseits kann man sie als Illustrationen, als Kommentare zu einem Text sehen. Dann sind Figuren, Bäume etc. wichtig. Man kann sich den Scherenschnitten aber auch von der nicht figurativen Seite nähern, dann verbinden sich Mädchen und Blätter zu schwingenden Ornamenten. So manches erinnert dann an Tore, an mit irgend geartetem Zauber beladene Eingänge in eine seltsame Welt; in eine Märchenwelt.

Veva Tocics Scherenschnitte zeigen, wie vielseitig man auf diesem Gebiet arbeiten kann. „Eine schöne Ausstellung, die auch in das Café Künstlerhaus paßt" H.H. Salzburger Nachrichten, 21. September 1988.
Vor 15 Jahren ist diese Kunstkritik in der Tageszeitung "Salzburger Nachrichten" geschrieben worden und es klingt wie ein Gespräch über eine exotische Kunstgattung. Inzwischen sind der Scherenschnitt und Papierschnitt sehr viel mehr wieder in den Vordergrund gerückt. Gerade große Ausstellungen mit entsprechenden Katalogen, wie "Schattenrisse Silhouetten und Cutouts" im Lenbachhaus in München 2001, in Eisenstadt/Österreich und Klosterneuburg/Österreich 2002 und 2003 Henri Matisse "Mit der Schere zeichnen – Meisterwerke der letzten Jahre" in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt am Main haben neben vielen kleineren Ausstellungen das Scherenschneiden wieder mehr bekannt gemacht.
Frau Veva Toncic, Veva Fischler Gräfin von Treuberg, geborene Veva Toncic Edle von Sorinj, 1912 in Wien geboren und 1992 in Salzburg gestorben, war von Beruf Bildhauerin. Die Vorfahren von Veva Toncic stammten alle aus dem Mittelmeerraum, dem westlichen wie dem östlichen. Sie hat nach der Matura (Abitur) eine Ausbildung zur Steinbildhauerin gemacht und das Studium in Wien an der Akademie der Bildenden Künste in der Meisterklasse für Bildhauerei abgeschlossen. Sie war dann als Assistentin für Steinarbeit bei Prof. Fritz Behn tätig, absolvierte Zeichnen bei Professor Herbert Boeckl. Nach 1944 begann sie bis zu ihrem Tod 1992 freischaffend zu arbeiten. Sie schuf Monumental- und Kleinplastiken. Veva Toncic denkt in allen ihren Arbeiten – unabhängig vom Format – monumental und auch das an Dimensionen kleinste Stück ist alles andere als eine Nippesfigur. Ferner wird man bemerken, daß sich alle Arbeiten der Künstlerin, wieder ohne Rücksicht auf ihre Dimensionen, in der Ausführung durch große Unmittelbarkeit auszeichnen. Sie alle tragen die Handschrift ihrer Schöpferin, sie alle sind unbeschadet der Technik und des Materials Ergebnisse eines spontanen Schaffensprozesses: Veva Toncic hat den mühseligen Umweg, den so manche Bildhauer beschreiten, nämlich den des Einsatzes ausführender Handwerker oder der Methode des Punktierens, nicht nötig. Ihre Steinbildhauereien sind unmittelbar aus dem Block herausgeholt, ohne vorbereitende Skizzen, ohne Modelle, ohne zeichnerische Fixierung von Gesamt- oder Teilidee; sie bezeugen somit eine geradezu traumhaft sichere Beherrschung des Metiers und eine Souveränität über Material und Werkzeug. Versucht man, die Stilprinzipen des Schaffens der Künstlerin zu bestimmen, wird man unschwer erkennen, daß Veva Toncic nicht am klassischen Ideal der Vollrundheit des Bildwerkes und der Gleichberechtigung aller Ansichten hängt. Griechischen Idealen ist die Künstlerin zutiefst verpflichtet, aber sicher nicht im Sinne eines oberflächlich-imitativen Klassizismus: das Griechische in diesen Werken ist zugleich das elementar Bildhauerische, die Verwandtschaft ist weniger eine der Form als eine des Wesens.

Universitätsprofessor Dr. Michael Schwimann schreibt in einem Ausstellungskatalog: "das erste, das Veva Toncic auslöst, ist Verwirrung; Verwirrung als Persönlichkeit und Verwirrung als Künstlerin. Wer sie, gleichsam als stadtbekannte Erscheinung, aus flüchtigen Begegnungen kennengelernt hat, hat Identifikationsprobleme, wenn er die Erfahrung eines längeren Gespräches macht. Ähnlich ist es mit ihren Arbeiten. Veva Toncic ist nicht Bildhauerin, die sich auch mit Malerei und Grafik beschäftigt, sie ist ebensowenig Malerin und Grafikerin, die sich auch mit Bildhauerei beschäftigt, sie ist weder das eine noch das andere und doch alles zusammen. Sie bekennt selber, sie würde am liebsten mit vier Händen gleichzeitig in den verschiedensten künstlerischen Manieren arbeiten. Auch wenn wir die bildhauerischen Arbeiten beiseite lassen, trägt dies zunächst nicht viel zur Übersicht bei; weniger deshalb, weil damit eine offensichtliche Verbindung zwischen ihren verschiedenen Arbeitsgebieten verloren ginge, als vielmehr deshalb, weil der Rest wegen seiner Verschiedenartigkeit und Vielgestaltigkeit verwirrend genug bleibt. Da gibt es Kohlezeichnungen mit Portrait- oder Aktdarstellungen, andere wiederum mit abstrakten Phantasiegebilden, Tusch- und Filzstiftzeichnungen mit Tierstudien, Mischtechniken mit antiken Motiven, Bleistiftzeichnungen mit humorvollen Menschenbeobachtungen, Holzschnitte in den verschiedensten Variationen, freie gegenstandslose Aquarelle und Ölpinselzeichnungen auf großen Formaten. Den Arbeiten von Veva Toncic ist vielleicht eines gemeinsam: sie zeugen von der Polarität der Künstlerin, von einer Ambivalenz zwischen einer vom Material inspirierten instinktiven Schaffenslust und einer ausgesprochen literarischen Sensibilität."
Es ist jedenfalls eine Anzahl von Scherenschnitt-Zyklen erhalten, die die Begabung bestätigen.
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Daß diese Künstlerpersönlichkeit
der Nachwelt Scherenschnitt-Zyklen hinterlassen hat, ist für die Entwicklung
dieser Kunstgattung bis ins 21. Jahrhundert ein Meilenstein und eine Bereicherung.
Es wird sich nicht mehr feststellen lassen, wieviele Scherenschnitte aus
ihrer Hand stammen, wo sie für Illustrationen, für Geschenke
und zum Verkauf verwendet wurden.