| Name | Swerd, Etaner
(Tiltmann, Renate) |
| Geboren am .. | . |
| Verstorben am ... | . |
| Vereinszeitung Ausgabe | SAW 29 |
| Autor(in) | Renate Tiltmann |
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Etaner Swerd nutzt jedes Medium für
ihre Kunst. Jedes Medium, das dem Interesse ihrer künstlerischen Arbeit
dient, sie möglich macht, fördert, anregt. Phantasievoll, intensiv,
expressiv sind ihre Arbeiten der Malerei, der Zeichnung und der Bildhauerei.
Arbeiten mit Papier forderten die Künstlerin
mit der Vorliebe für komplexe Themen und intensive Auseinandersetzung
in ihrer Fragilität und Vielseitigkeit. Ihre intensive Arbeit mit
Papier beginnt 1990. Zunächst sind es Collagen, die ihr die Möglichkeit
des Experiments, aber zunehmend der konkreten künstlerischen Auseinandersetzung
bieten. Sie nutzt hier wiederum jedwedes Material und Technik, ist jedoch
in zunehmendem Maß fasziniert von der konkretesten Form der Auseinandersetzung
mit Papier – dem Scherenschnitt. Schnitttechniken und Ausdrucksmöglichkeiten
des Scherenschnitts interessieren die Künstlerin und fördern
ihre Freude am Schneiden und am Material Papier kontinuierlich. Die Variabilität
des Materials Papier, das sie für ihre Collagen schätzt, inspiriert
sie auch hier.
In ihren Bildthemen bewegt sich Etaner
Swerd weiter in den Sujets, die sie in ihrem gesamten Œuvre beschäftigen.
Ihre Themen sind heutig. Es sind aktuelle Themen mit aktiven Menschen,
die sie beschäftigen. Sie will die Jetztzeit darstellen und vollzieht
mit den für sie selbstverständlichen Bildthemen einen Bruch mit
den üblichen Scherenschnittthemen. In ihrer Arbeit „Handyzeit“ (Abb.
1) gelingt nicht nur die Darstellung einer jungen Frau in zeitgemäßer
Frisur und Kleidung, die sie als Frau unserer Zeit identifizieren, sondern
sie gibt ihr konkret das Attribut des Mobiltelefons in die Hand. Die Komposition
ist an keiner Stelle der Arbeit gestört, der Schnitt verläuft
weiter harmonisch: es ist eine in sich geschlossene Darstellung im Scherenschnitt.
Und doch birgt gerade diese Arbeit alle Ansatzpunkte des Arbeitens von Renate Tiltmann, die unter ihrem Künstlernamen Etaner Swerd arbeitet. Sie setzt sich intensiv mit der Geschichte einer Technik auseinander, erweist ihre Referenz und reflektiert die Kontexte in denen sie sich mit ihrer Arbeit bewegt außerordentlich. Ihr Ziel hierbei ist ganz klar das eines jeden anspruchsvollen Künstlers: Das Erlangen eigenen Ausdrucks. Handyzeit repräsentiert somit die Auseinandersetzung der Künstlerin mit Themen der Zeit, die uns alle und damit auch sie selbst beschäftigen, und die Auseinandersetzung mit einer bestimmten Technik. Dies setzt Reibungspunkte voraus und lässt neue entstehen.
Etaner Swerd widmet sich neben offensichtlich
aktuellen Themen auch traditionellen Topoi der Kunstgeschichte, die in
unseren Tagen wieder verstärkt in den Fokus unserer Betrachtung gelangen:
Zweisamkeit. Ihre intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Paare greift
die angesprochenen Elemente auf und zeigt wie eindrucksvoll sie auch im
Bereich intimer Arbeiten eingesetzt werden. Das „Paar 1“ (Abb. 2) nutzt
in seinem kraftvollen Motiv alle Möglichkeiten des Scherenschnitts.
Ein eindeutiges kontrastreiches Gegeneinandersetzen von Formen bei aller
Subtilität des Genres.
Abb. 2 "Paar 1", Scherenschnitt, 1998 (30 x 21 cm) |
Abb. 2 "Paar 1", Scherenschnitt, 1998 (30 x 21 cm) |
„Der Kuss“ (Abb. 3) bewahrt sich bei aller
kontrastreichen und kraftvoll-flächigen Darstellungsweise die Zartheit
des Augenblicks. Die Wahl Etaner Swerds eines gelben Ausgangsmaterials
unterstützt die Leichtigkeit dieses Motivs. Der Einsatz von Farbe
wird eindeutig als Chance verstanden: der Darstellung und Vermittlung.
Einen Schritt weiter geht die Künstlerin
in ihrer Arbeit mit dem Motiv der Paare in ihren Arbeiten „Paar 2“(Abb.
4) und „Paar 2 – rot“ (Abb. 5). Das eindeutige Motiv der Darstellung erfährt
seine Erweiterung und Hinterfragung des Bildinhaltes durch die Hinzunahme
einer weiteren technischen Ebene. Etaner Swerd nutzt ihren Scherenschnitt
„Paar 1“ als Ausgangspunkt für eine zweite Arbeit. Sie nutzt die Möglichkeiten
elektronischer Bearbeitung.
Abb. 4 "Paar 2", Scherenschnitt, 1999 (30 x 21 cm) |
Abb. 5 Etaner Swerd "Paar 2 rot", Mischtechnik, 2005 (30 x 21 cm) |
Nicht nur wird eine zweite Farbe zum Ausgangsmaterial
des schwarzen Kartons hinzugenommen. Sie lässt Teile des Motivs virtuell
ausschneiden und erweitert die Darstellung durch Wiederholung dieser Elemente.
Details, die klar wieder erkennbar sind und ein potentielles Ansprechen
als reines Ornament verweigern. Sie ermöglichen die Intensivierung
des Ausdrucks der Darstellung des Paares, legen jedoch gleichzeitig eine
Hinterfragung nahe. In Arbeiten wie „Nouvel“ (s. Heftrückseite) kombiniert
sie den gelben Scherenschnitt einer weiblichen Figur mit Fotografien von
Arbeiten des Architekten Jean Nouvel, für den der Mensch im Mittelpunkt
seiner Arbeiten steht. Technisch gesehen wiederum ein eindeutiger Bruch
traditionellen Scherenschnitts, inhaltlich jedoch eine klare Erweiterung
der Ausdrucksfähigkeit. Eine Arbeitsweise, die dem experimentierfreudigen
Arbeiten von Etaner Swerd entspricht, aber die Gattung des Scherenschnitts
zur Diskussion stellt. Sie findet für sich die Bezeichnung der „Papiercutterin“.
Diese Begriffsfindung ermöglicht es ihr, weiter Scherenschnitte im
traditionellen Sinne zu fertigen, gleichzeitig Erweiterungsmöglichkeiten
des Begriffs zu untersuchen und konkrete Angebote zu machen. Nur eine technische
und intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Thema Scherenschnitt und
seiner Geschichte ermöglicht für sie ein Weiterleben und Weiterentwickeln
dieses so wichtigen und wertvollen Kulturguts.
Den großen Wert, den die Künstlerin
in ihren Arbeiten auf Körperlichkeit, Lebendigkeit, Aktion und Bewegung
legt, wird in allen Motiven deutlich, unabhängig von der Anzahl der
Figuren, in der Darstellung von Menschen, Tieren oder Pflanzen. Die Arbeit
„Drama“ (Abb.6) greift die hier heute vorgestellten Positionen Etaner Swerds
abschließend noch einmal auf. Sie nutzt die Flächigkeit des
Ausgangsmaterials, seinen großen Kontrastreichtum, vereint abstraktere
mit stark körperlichen und realen Momenten und erreicht in diesem
Miteinander intensiven, expressiven Ausdruck. Sie greift damit einen wesentlichen
Charakterzug des traditionellen Scherenschnitts auf: sie erzählt!
Sie illustriert keine Geschichte; Sie setzt sie mit Mitteln des Scherenschnitts
künstlerisch um und ist damit Wert der Diskussion auch durch traditionellere
Künstler und Künstlerinnen der Gattung des Scherenschnitts. Denn
gerade eine inhaltliche Öffnung und die Möglichkeit Bildränder
zu sprengen, sollten Diskussion sein innerhalb einer Künstlerszene,
die kein Problem mit Lasertechniken hat.
Abb. 6 Etaner Swerd "Drama",
Scherenschnitt, 1998 (25,5 x 26,5 cm
Impressionen von einer Fahrt in der Wüste Libyens 2006
"... mit dem Jeeps durch die Sahara Libyens ..." 2006 |
"Wüste Libyens" 2006 |