| Name | Springmann, Brigitte |
| Geboren am .. | 08.05.1944 |
| Verstorben am ... | |
| Vereinszeitung Ausgabe | SAW 24 |
| Autor(in) | Otto Kirchner |
1944 geboren in Ebsdorf Kreis Marburg/Lahn
ab 1963 Auslandskorrespondentin
1968 Heirat mit Peter Springmann Kinder
Barbara und Christian
seit 1972 in Kirchheim/Teck
ab 1981 Sekretärin der Musikschule
seit 1990 Gesangsunterricht und Chorgesang
Scherenschnitt-Ausstellungen:
1997 und 1999 Kirchheim/Teck
1997 Schwäbisch Gmünd
2000 Weilheim
„Musik, Kunst, Literatur gehören für
mich zusammen. Sie sind Rückzugsgebiete, Kraftquellen und Freiraum,
das Gegengewicht zu den täglichen Anforderungen. Besonderen Stellenwert
hat die Musik. Hierzu gehört auch eigenes Musizieren in Form von Sologesang
und im Chor.
Schreiben (z.B. Verfassen von Artikeln
für Schwarz Auf Weiß) erfordert hohe Konzentration und viel
Zeit, beinhaltet jedoch die intensive Auseinandersetzung mit einem Thema
und in Folge mit Sprache und ist daher am Ende immer ein Gewinn für
mich selbst.
Mein Verhältnis zur Natur ist seit
frühester Kindheit ein sehr intensives. Im Elternhaus, insbesondere
durch meine Mutter; wurde der Grund dazu gelegt. Dabei interessieren mich
neben pflanzen auch Tiere, Steine, Sterne. Von jeder Wanderung, aus jedem
Land bringe ich einen Stein mit als Souvenir von meinem Weg.
Zu Pflanzen habe ich jedoch einen besonderen
Bezug. Hier fühle ich mich zu Hause. Sie sind daher mein bevorzugtes
Thema für Scherenschnitte. Hierfür bringe ich die ausgewählte
Pflanze mit nach Hause, ich beobachte sie, beschäftige mich mit ihr
über einige Tage und versuche, ihr Wesen zu ergründen. Dann kann
ich sie für den Schnitt aufzeichnen. Oft ergeben sich aber während
des Schnitts Änderungen oder Hinzufügungen."
Ein Beispiel des „bevorzugten Pflanzenthemas“
zeigt Abb. 1: Drei Weberkarden stehen aufrecht und ruhig in dem fast quadratischen
Bild. Die schwarzflächigen, stacheligen Distelköpfe werden nicht
nur von den eigenen Ranken eingekreist, sondern auch von den Zweigen des
Weidenröschens. Dessen Früchte biegen sich wild und bizarr entlang
der Zweige und bilden einen unruhigen Kontrast zu dessen großen Bogen.
Sowohl an den Stängeln des Weidenröschens als auch der Disteln
gibt es noch kleine, eingetrocknete Blattreste. Sie charakterisieren die
beiden Pflanzen und sind gleichzeitig "notwendig" für das Bild. Trotz
der unruhigen Einzelheiten wirkt das Bild harmonisch. Für Spannung
sorgen die abgeschnittene Karde und der unterbrochene Bogen des Weidenröschens.
Brigitte Springmann hat 1995 Scherenschnitte
für die Taglieder und Traumlieder von Katharina Ferber geschnitten.
Zum Gedicht „Heimweh“ gehört der Mohn (Abb. 2).
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Die frontale Darstellung der zwei Blüten
verbindet sie mit den Silhouetten der Blätter, der Knospen und der
Samenkapsel. Während die Blattformen in den Ecken eher konventionell
anmuten, gleicht das Innere der Blüten einer Landschaft mit einer
geheimnisvollen Tiefe.
Für „Die Lerche“, eine der „Drei
fabelhaften Kantaten“ von Manfred Bayer hat Brigitte Springmann die Welt
aus der Sicht der bedrohten Vogelkinder dargestellt. Von dem Bauer sind
nur die riesigen Stiefel und der Stock zu sehen (Abb. 3).
Noch eindrucksvoller setzt sie diese „Ausschnitt-Technik“ in der Kantate „Die Igel“ ein. „Im Frühling erst sind sie erwacht...“ zeigt die ganze Szene (Abb. 4). Die Heckenrosen haben noch keine Blätter, nur Früchte des Vorjahres hängen noch an den Zweigen. Um so sichtbarer ist der Vogel, dessen Gesang nicht nur gegen die dunkle Tanne gerichtet ist, sondern auch die Igel aufwecken soll.
Der Streit der Igel ist dagegen nur mit
den Stacheln dargestellt, die sich ineinander bohren - eine fast abstrakte
Darstellung der Aggression (Abb. 5). Diese Methode erinnert an die Zoomtechnik,
bei der das wichtige Detail „herangeholt“ und vergrößert wird.
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Brigitte Springmann hat dem Text über
ihr Verhältnis zur Kunst und zur Natur noch zwei Sätze hinzugefügt:
„Da ich Linkshänderin bin, schneide
ich mit der linken Hand. Ich bevorzuge schwarzes Papier, nehme aber oft
als Doppel weißes Papier oder auch farbiges Origamipapier.“
Sie meinte auf die Nachfrage, dass das
Schneiden mit der linken Hand im Grunde nicht anders sei als das mit der
rechten. Auch beim fertigen Schnitt lässt sich kein Unterschied feststellen,
es sei denn, man will die besondere Sorgfalt darauf zurückführen.
Die Gräser (Abb. 6) sind ein weiteres
Beispiel für die perfekt komponierten und geschnittenen Arbeiten der
Scherenschneiderin Brigitte Springmann.
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In SAW 13 hat die Linkshänderin Gisela
Schermer vom „Mangel als Gewinn“ gesprochen. Im Gegensatz zu anderen handwerklichen
Techniken wurde beim Scherenschnitt nicht vorgeschrieben wie er zu machen
sei. Diese Freiheit .ist wohl Voraussetzung für die Entstehung von
eigenständiger Kunst.
Der erste Artikel von Brigitte Springmann
ist in SAW 5 erschienen. Sie beschreibt darin den von ihr erworbenen Scherenschnitt
„Besseres Paar fliegt nach Wien“ von Helmuth Bögel. Es war nicht nur
der Anfang zahlreicher Beiträge für Schwarz Auf Weiß, sondern
auch der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit während der Redaktion
von Helmuth Bögel. Die stärkste Wirkung eines Artikels in Schwarz
Auf Weiß ist von dem Bericht von Brigitte Springmann über die
Hilbentritsche ausgegangen. Ein ganze Reihe von Scherenschneiderinnen sind
angeregt worden, neue Scherenschnittwesen und auch -unwesen zu erfinden.
Wir hoffen und wünschen, dass noch
mehr Beiträge von ihr folgen werden und dass die täglichen Anforderungen
ihr genügend Raum lassen für die Beschäftigung mit Musik,
Kunst und Literatur und damit auch für den Scherenschnitt.