| Name | Sear, Reg |
| Geboren am .. | 1943 |
| Verstorben am ... | |
| Vereinszeitung Ausgabe | SAW 23 |
| Autor(in) | Ursula Kirchner |
Das Wort "Papercutter" würde ich am liebsten mit "Papierschnitzer" übersetzen. So wenigstens steht es bei Knapp "Deutsche Schatten- und Scherenbilder". Reg Sear wurde 1943 in Stoke on Trent, England, geboren. Er studierte Malerei und Töpferei in Stoke on Trent, ferner das Entwerfen von Architektur-Keramik in Stafford. Er arbeitete als Grafiker, als dekorativer Maler und Oberflächen-Designer. Er war- Dozent an verschiedenen Colleges und an der Universität von Nottingham. Er lebt in einem uralten Haus in Boston, Lincolnshire, mit Frau, Sohn und Tochter. Dort macht er Scherenschnitte, entwirft Textilien und Tapeten und malt Effekte für Möbel und Innenräume. Die einzigen Scherenschnitte, an die er sich aus seiner Kinderzeit erinnert, sind geschnittene Borten zur Verzierung von Regalen. Außerdem erinnert er sich an eine Silhouette, die seine Mutter in einer Bude in einem Seebad an der Südküste Englands von sich schneiden ließ. In Schottland hat er für seine Entwürfe in den frühen Achtzigern gelegentlich Schablonen verwendet. Zufällig fiel ihm damals ein Buch der Schweizer Hauswirth und Saugy in die Hände. Besonders das Werk von Jakob Hauswirth, der seinen lebensunterhalt als Taglöhner und Köhler verdienen musste, hat ihm mit seinen kraftvollen Kompositionen und seiner Schlichtheit großen Eindruck gemacht. Reg bedauerte, dass sein durch die Arbeit als Designer geschultes Auge ihm nie erlauben würde, solche wunderbaren Bilder hervorzuzaubern. Nach und nach wandelte sich seine Faszination in Eingebung. Mitte der Achtziger Jahre begann er Scherenschnitte zu machen. Es war ein Kampf, das Designerauge auszuschalten, um die Ursprünglichkeit der Arbeit nicht zu verderben.
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Abb. 2: Es sind Balanceakte schwierigster
Art, wie sie nur im Zirkus gelingen können. Umgeben von einer Borte
in einem festen Rahmen, präsentiert sich eine leichtbekleidete Dame
auf einem Schwein, das von einem kleinen Herrn mit Hut und Vogel dirigiert
wird. Auf dem Schirm der Dame balanciert ein Hahn, auf dem sich ein Mann
zu halten sucht, der eine Fahne schwingt. Durch den, von Sternen beleuchteten
Himmel, schwimmen drei Vögel, die gleichfalls von Männern mit
Hüten am Zügel gehalten werden. Der Zirkus gastiert vor der Stadt;
die Mauer mit Türmen und Stadttoren weisen darauf hin. Und die Palmen
können nur im Morgenland stehen.
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Abb. 3: Dieselbe Dame stemmt, auf einem
Vogel Strauß tanzend, eine Stange, auf der 6 Männer mit Schirmen
und Vögeln auf dem Kopf, herumhüpfen. Nicht weniger als 17 Männer
umschwirren die üppige Dame. Auf allen Bildern wiederholen sich dieselben
Bildelemente, vor allem die Schirme sind nötig für das Gleichgewicht.
Alle Figuren sind für sich geschnitten und aufgeklebt. Die Formen
berühren sich eher zufällig. Sie schweben im Raum und eigentlich
bieten nur die Schirme fragwürdigen Schutz. So gesehen werden diese
Bilder zu Sinnbildern unseres gefährdeten lebens, durch das wir uns
so arglos bewegen, als könnte es keine Katastrophen geben, die alle
diese heiteren Figuren durcheinanderwirbeln und die fragile Ordnung in
Frage stellen.