| Name | Joneck, Annemarie |
| Geboren am .. | 1925 |
| Verstorben am ... | |
| Vereinszeitung Ausgabe | SAW 13 |
| Autor(in) | Joachim Pfeiffer |
Lebenslauf:
1925 Geboren in Pirmasens / Pfalz
1948-51 Orthopädische Krankenschwester
ab 1951 wohnhaft in Düsseldorf
1952-56 Dekorateurin in einem Kaufhaus
1957-73 Arbeiten im grafischen Bereich
1974-88 Sekretärin in einem Ministerium
und Arbeit in einer wissenschaftlichen Bibliothek
1988 Pensionierung
1997 Ausstellung des Gesamtwerkes an Scherenschnitten
in der Stadtbücherei Rath/Düsseldorf.
„In dem Ofen glüht es noch – Ruff!!
– damit ins Ofenloch!“ so heißt es bei Wilhelm Busch im 6.Streich
von Max und Moritz.
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Schon hier zeigten sich einige Merkmale ihrer Technik, auf die ich später noch oft stieß: Einmal die Vereinfachung der Form auf das Wesentliche und dann die geschickte Verteilung der schwarzen und weißen Flächen, die teilweise einen fast holzschnittartigen Eindruck vermitteln.
Zu dieser Zeit (1997) wurde eine umfangreiche Ausstellung mit ihren Arbeiten in der Stadtbücherei Rath, einem Stadteil von Düsseldorf, geplant. Bei den Vorarbeiten und Besprechungen ahnte ich damals noch nicht, welche fast überquellende Fülle von Themen, Formen und Einfällen auf uns warteten! Doch zunächst einige Fakten über den Werdegang der Künstlerin:
Als Dritte von insgesamt fünf Brüdern und fünf Schwestern ist es kein Wunder, wenn sie sagte, daß es in ihrer Familie stellenweise mehr als turbulent zuging. Den Anfang ihrer „Schneidekarriere“ muß man vielleicht in ihrer Kindheit suchen:
„Meine Eltern hielten mich für ein eigenartiges Kind“, sagt sie, „am liebsten saß ich an der Fensterbank, weil es dort am hellsten war. Papier, Schere und Bleistift zählten zu meinen bevorzugten Beschäftigungswerkzeugen. Es fiel meiner Mutter schon früh auf, daß ich bereits mit drei Jahren geschickt mit einer spitzen Schere umgehen konnte.

In meiner Familie wurde damals nie danach
gefragt, welchen Beruf ich einmal erlernen sollte (oder wollte?). Mein
Vater war der unumstößlichen Ansicht, daß die Mädchen
heiraten und die Jungen einen Beruf erlernen sollten! So wurde ich immer
zu Hause gebraucht, konnte oft nicht in die Schule gehen, da ich meine
teilweise völlig überforderte Mutter, wenn sie krank war, bei
der Kindererziehung vertreten mußte.“
Aber dann überredete ihre Mutter
sie doch, einen sozialen Beruf zu erlernen, denn ihr eigentlicher Wunsch,
Grafikerin zu werden, schien unerfüllbar. So arbeitete sie zunächst
als orthopädische Krankenschwester, dann in einem Düsseldorfer
Kaufhaus, wo sie als Dekorateurin für Preisschilder und Plakate zuständig
war. Später war sie in einer wissenschaftlichen Bibliothek tätig.
Dann kam die Pensionierung und die Überlegung,
wie sie den neuen Lebensabschnitt, die Fülle von Zeit und Ruhe, ausfüllen
konnte. Und plötzlich erinnerte sie sich an das frühere Hobby
der Kindheit und fing wieder an zu schneiden, zu zeichnen und entdeckte
dabei immer neue Möglichkeiten. Da sie mit der Schere oft nicht so
schnell schneiden konnte, wie sie es bei den vielen Ideen gerne gehabt
hätte, benutzte sie nun hauptsächlich das Messer, und dabei ist
sie bis heute auch geblieben.
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Die Welt der Märchen gehört zu
einem Themenkreis, aus dem sie viele Anregungen schöpft. Beispiele
hierfür sind die rührende Geschichte von dem kleinen Mädchen
mit den Schwefelhölzchen (Abb. 2) oder der kleine Muck aus dem Hauff’schen
Märchen (Abb. 3). Bei dem vignettenartigen Schnitt des Knusperhäuschens
(Abb. 4) ist der märchenhafte Eindruck noch stärker herausgearbeitet.
Gerade beim Vergleich dieser drei Illustrationen wird die Verschiedenartigkeit
ihrer Bildauffassung besonders deutlich.
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Der Vogel (Abb. 5) sitzt wohl nicht zu
seinem Vergnügen in der Wiese: Er hat entweder einen nahenden Feind
erspäht oder möglicherweise einen Wurm, den er gleich verspeisen
wird.
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| Abb. 6: Derwisch. Entwurfszeichnung und danach ausgeführter Scherenschnitt – Alle hier abgebildeten Scherenschnitte sind in den Jahren1998 und 1999 entstanden. |
Nun ein völlig anderes Bild (Abb.
6), das als Vignette für ein orientalisches Märchen gedacht sein
könnte: Der bettelnde Derwisch („Derwisch“, aus dem Persischen, bedeutet
wörtlich übersetzt „Bettler“), der durch seine bittende Gebärde
eine Gabe erhofft. Die danebenstehende Skizze für diesen Scherenschnitt
zeigt einen Teil der Vorarbeit. Die Vorplanung dazu beginnt im Kopf, zunächst
mit einem vagen Bild, dann folgt die erste Skizze, die aber während
des Schneidens oft noch verändert wird. Warum der Schnitt dann so
und nicht anders aussieht, weiß Frau Joneck oft gar nicht. Irgendetwas
treibt sie einfach dazu, sagt sie selbst.
Ihre scheinbar unerschöpfliche Phantasie
bringt immer neue Blüten hervor. Dabei kennt sie genau ihre Grenzen
und weiß gefühlsmäßig, was schneidbar ist und was
nicht.
Annemarie Joneck ist eine lebhafte Frau,
die, wenn eine bestimmte Idee sie beschäftigt, in ihrer Arbeitswut
kaum zu bremsen ist. Sie liebt ihre Welt, ihre Arbeit. Bei dem bisher gezeigten
Tatendrang kann man auch in der Zukunft bestimmt noch vieles von ihr erwarten.