| Name | Hegelmaier, Ursula |
| Geboren am .. | 1920 |
| Verstorben am ... | |
| Vereinszeitung Ausgabe | SAW 08 |
| Autor(in) |
Lebenslauf:
1920 Geboren in Ahlen/Westfalen
1940 Abitur in Dortmund
Werkkunstschule in Dortmund und Hannover
"Freie Akademie für Erkennen und
Gestalten" von Albrecht L. Merz in Stuttgart
Berufliche Tätigkeit in der Verlagswerbung
der Westdeutschen Allgemeinen
Redakteurin bei der Wochenzeitschrift"
Das grüne Blatt" in Dortmund
Seit 1949 zahlreiche Scherenschnittausstellungen

Illustrationen in Zeitungen und Zeitschriften
1960 - 64 Scherenschnittkalender im Landbuchverlag
Hannover
1995 "Geliebte gefährdete Welt" Stroh-Verlag
Backnang
In der Backnanger Ausstellung im April 1990 hat Ursula Hegelmaier mit einem Text eingeladen, den man als Schlüssel zu ihren Arbeiten ansehen kann: Was je uns angeht, geht in uns ein, wird zum Geschehnis und geht verwandelt dann als Bekenntnis neu von uns aus.
Ebenso beispielhaft für die Künstlerin ist der zum Text gehörige Scherenschnitt (Abb. 1 S. 16). Man meint, eine Pflanze zu erkennen, weil die "Blätter" von einer Wurzel ausgehen. Es könnten aber auch Flammen sein, welche unruhig nach oben schlagen. Auffallend sind die Drehungen und Überschneidungen. Bewegung darzustellen ist ein zentrales Thema in den Scherenschnitten von Ursula Hegelmaier.


Aus den dunklen Stengeln der Küchenschelle wachsen die bei den hellen Blüten. Eine davon ist noch halb geschlossen, von der anderen ist das Innere zu sehen. Die Stengel kommen aus hellen Blattknospen, die wie eine Wiederholung der Blüten wirken, und aus dem Wurzelstock wachsen die spärlichen Blätter, in welche hell die Rippen geschnitten sind. Bei dem Scherenschnitt steht folgender Text:
Es rinnt der Quell und fragt nicht nach dem Ziel. Es strömt das Licht, verströmt sich wie im Spiel. Es blüht die Blume' scheinbar ohne Sinn; und du nur, Mensch, fragst nach Woher-Wohin.
Im Nachwort des Büchleins schreibt Ursula Hegelmaier: "Schon als Kind erfuhr ich die Tröstungen von Baum und pflanze, von Blüte und Tier. In dunklen Zeiten halfen sie mir, wieder froh zu werden. Ist der Baum nicht Gleichnis für den Menschen, oft vom Sturm -niedergebeugt und zugleich immer wieder tapfer zum Himmel aufgerichtet?" Bäume als "Gleichnis für den Menschen" hat sie immer wieder geschnitten (Abb. 3), manchmal auch in großem Format. Sie lassen sich ohne Einbuße an Qualität verkleinern. Es heißt, dies sei ein wichtiges Qualitätsmerkmal des Scherenschnitts.

Urformen
Die Beschäftigung mit der Natur führte
Ursula Hegelmaier zu elementaren Formen. Der "Urbaum" ist dafür ein
Beispiel (Abb. 4). Hier gibt es keine unter der Last sich biegenden Äste
mehr, sondern nur noch auf das Wesentliche reduzierte ruhige Form. Bei
der Zwiebel (Abb. 5) ist es eine Ruhe, in der man die Spannung des künftigen
Wachsens spürt. Diese "Urformen" gibt es auch bei den Tierdarstellungen.
Der Fisch (Abb. 6) ist nicht eine bestimmte Art, sondern ein Typus, großäugig
und mit fast pflanzlich ornamentalem Schwanzende.
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Christliche Themen
In der Einführung zu einer Ausstellung
ihrer Scherenschnitte sagt Ursula Hegelmaier: "Mein Anliegen ist weniger
die Kritik an unserer Zeit, obwohl auch das immer wieder anklingen mag.
Ich fühle mich gedrängt, auf meine Weise Gottes Schöpfung
zu preisen, wie sie sich in Mensch und Tier, in Baum, Blume und Grashalm
offenbart, gerade weil diese von Gott geschaffene Schönheit wohl nie
so gefährdet war wie in unserer Zeit." Von den Kreaturen der Schöpfung
führt der Weg zum Schöpfer und zu den biblischen Geschichten.
Dazu hat Ursula Hegelmaier ganze Serien geschnitten: - Die Schöpfungsgeschichte
nach der Priesterschrift (8 Scherenschnitte) - Die "Jahwistische" Schöpfungsgeschichte
(8 Scherenschnitte) - Die Geschichte des Propheten Jona (5 Scherenschnitte)
- Leben-Jesu-Folge (30 Scherenschnitte) Was sie bei den pflanzen und Tieren
eher vereinzelt anwendet, wird bei den christlichen Themen vorherrschendes
Gestaltungsmerkmal: die Formen weiß aus dem schwarzen Papier herauszuschneiden.
Bei Jonas (Abb. 7) bilden die weißen Figuren einen deutlichen Kontrast
zum dunklen Schiff und zum riesigen Leib des Walfischs. Durch die weißen
Ränder wird das Maul zum schwarzen Schlund, und das Auge scheint auf
das herabstürzende Opfer zu schielen. Der Körper des Fisches
ist von riesigen Wellen umgeben, in denen das Schiff zu kentern droht.
Ober allem Ungemach ahnt man aber, daß Jonas geborgen sein wird im
Bauch des Fisches. Noch zeichenhafter sind die Formen, welche beim Leben
Jesu aus dem schwarzen Papier geschnitten sind (Abb. 8). Man versteht jetzt,
warum Ursula Hegelmaier auf der 1. Mitgliederversammlung den Titel "Schwarz
auf Weiß" kritisiert hat: "Da Scherenschnitte ja gar nicht immer
nur schwarz auf weiß sind, sondern durchaus auch weiß auf schwarz
oder gar farbig, meine ich, seien wir dadurch zu festgelegt. Da gäbe
es sicher Alternativen, etwa: "Schere macht Papier lebendig" oder "Papier
und Schere" - "Die kreative Schere" - "Die Schere, die das Papier zum Sprechen
bringt", auch an der Diskussion der Thesen zur Komposition eines Scherenschnitts
von Berta von Böventer hat sich Ursula Hegelmaier beteiligt:
"Warum sollte- es nicht der künstlerischen Freiheit überlassen
bleiben - natürlich immer innerhalb der Grenzen, die durch das Material
und in diesem Fall durch die Fläche des Papiers gegeben sind, daß
die Schere durchaus Eigenwilligkeit zeigt - und das bei jedem Scherenschneider
auf eine andere Weise und gerade darum so eigenwillig lebendig bleibt in
dem, was sie darstellt", Man kann sagen, daß dies die vorherrschende
Ansicht des Scherenschnittvereins ist. "Sie schließt auch selbstverständlich
den Anspruch ein, die Papierschnittechniken als eigene Kunstform anzuerkennen"
(Claus Weber: Mehr Mut zum Scherenschnitt SAW Heft 6).



"Die Phantasie des Betrachters wird angeregt", sagt die Scherenschneiderin Ursula Hegelmaier, "das Ausgesagte mitzuvollziehen und damit auf seine Weise zu vollenden". Wo bin ich sicher, daß der Papierschnitt eine der vielen Möglichkeiten ist, unsere Welt zu erfassen und dabei ihrer geheimnisvollen. Wirklichkeit nahezukommen. Wir können uns davon bewegen und verändern lassen, so das etwas mit uns geschieht; das uns nicht zurückläßt als die, die wir vorher waren".